Das Buch des Sylter Immobilienmaklers Eric Weißmann Aber bitte mit Reet

Ansprache der Bürgermeisterin Petra Reiber, anlässlich des Neujahrsempfang am 17.01. 2013 im Rathaus Westerland/Sylt.

 

Verehrte Sylter Mitbürgerinnen und Mitbürger,

Herr Bürgervorsteher, Herr Amtsvorsteher und Bürgermeister aus den anderen Inselgemeinden, liebe Gäste und Zweitwohnungsbesitzer, die Gemeinde Sylt heißt Sie alle herzlich willkommen zum Neujahrsempfang 2013.
Seit nunmehr 15 Jahren kommt an so einem Tag nicht nur Leben in das altehrwürdige Rathaus, sondern die vielen elegant gekleideten Damen und Herren, die ich von hier aus sehe wie auch die Uniformträger bringen Glanz in dieses Foyer.

Das vergangene Jahr war wie Ebbe und Flut, es hat nicht nur schöne Momente gebracht, sondern auch Sorgen, Trauer, Stress, Ärger und Enttäuschungen. Viele Mitbürger haben mir gesagt, sie seien froh, das alte Jahr zu Grabe getragen zu haben.

Um so schöner ist es, dass wir heute alle gut aussehen und mit Neugier und Optimismus das neue Jahr empfangen können.

Sie haben schon gemerkt, dass die Presse viele Fotos schießt, von daher empfiehlt es sich trotz unseres Angebotes an alkoholischen Gratis-Getränken nicht mit einer Überdosis zu experimentieren, damit wir auch bis zum Schluß um 22.00 Uhr noch gut aussehen.

Unser Büffet ist wieder mit Sorgfalt ausgewählt, diesmal hat die Eiche aus Tinnum, die für ihre Qualität bekannt ist, die Speisen zubereitet, weil sich das Ehepaar Meyer in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet hat. Ich freue mich, die beiden heute Abend hier begrüßen zu dürfen und Danke sagen zu können für die vielen liebevoll zubereiteten Büffets und die vielen Jahre guter Zusammenarbeit.

In diesem Jahr haben sich sage und schreibe 32 Personen aus Politik und Verwaltung gemeldet, die den Service übernehmen. Was gibt es für den Bürger schöneres als sich im Wahlkampf von den Politikerinnen und Politikern bedienen zu lassen.

Ich möchte allen Helfern gerne namentlich danken:
Meine Damen und Herren,

das vergangene Jahr hat Verwaltung und Politik erneut viel Kraft abverlangt.

Ging es in den ersten drei Jahren nach der Fusion vor allem darum sich zu finden, Ordnung zu schaffen und fusionsbedingte Altlasten aufzuarbeiten, so war das 4. Jahr geprägt von einer Neustrukturierung der Verwaltung und dem Bestreben große, langwierige Projekte wie Feuerwache, Muasem Hüs, Friesensaal oder Bastianplatz auf den Weg zu bringen.

Häufig wurde der Ost-West Konflikt thematisiert, ich kann Ihnen versichern, dass es so etwas zumindest in der Verwaltung nicht gibt. Die Kolleginnen und Kollegen verstehen sich als eine gute Betriebsgemeinschaft, sind hoch motiviert und streben nach einer Inselverwaltung unter einem Dach im Westerländer Rathaus.

Wirtschaftlich macht das Sinn, denn eine Verwaltung aufgeteilt an verschiedenen Standorten, kann nie so effektiv und serviceorientiert arbeiten, wie eine in einem zentralen Gebäude.

Nachdem uns im alten Jahr der große Wurf mit einem Neubau oder Anbau nicht gelungen ist, hoffen wir für das neue Jahr diesem Ziel wenigstens in kleinen Schritten näher zu kommen. Allerdings so lange wie bei der Feuerwache darf es nicht dauern.

Wer behauptet, dass unter der Verwaltungszentralisierung der für uns alle so wichtige Wohnungsbau leiden würde, der hat sich noch nicht eingehend mit der Thematik beschäftigt. Aber ich räume ein, dass wir hier noch mehr Öffentlichkeitsarbeit leisten müssten.

Die Voraussetzungen für mehr Wohnraum sind geschaffen mit dem Abriß der Kleiderkammer auf dem ehemaligen StOV-Gelände Bahnweg und der Planungen auf dem Bastianplatz. Die Erwartungen der Bevölkerung an die Gemeinden, das Defizit von 2850 Wohnungen auf der Insel auszugleichen sind hoch.

Gleichzeitig freuen sich diejenigen, die aus dem exorbitanten Anstieg der Sylter Immobilienpreise ihre Profite erzielt haben.

Andererseits hat sich nirgends in Deutschland die Lage so zugespitzt wie auf Sylt mit der traurigen Erkenntnis, dass bezahlbarer Wohnraum nur durch die öffentliche Hand geschaffen und für die nächste Generation gesichert werden kann. Traurig deshalb, weil hier die Allgemeinheit mit Steuergeldern eintreten muss.

Insofern hat sich in unserer Gemeinde eine sinnvolle Politik eingebürgert, weder Grund und Boden zu veräußern, noch ein upgrade von Immobiliennutzung zu ermöglichen.

Wenn etwa eine gemeinnützige Einrichtung aus wirtschaftlichen oder anderen Gründen nicht mehr betrieben werden kann, ist der Eigentümer natürlich bestrebt mit einer Veräußerung seine leeren Kassen zu füllen. Das funktioniert aber nur, wenn der gemeinnützige Gebrauch planerisch umgewandelt wird.

Aber womit, frage ich Sie, hat so ein Eigentümer eine Umplanung, also das „upgrade“ verdient ?

Oder soll derjenige, der schlecht wirtschaftet, auf Kosten anderer profitieren ?

Interessant wird es besonders dann, wenn die Eigentümer erkennen, dass das Ansinnen auf Umplanung bei der Gemeinde auf Ablehnung stoßen könnte. So kommen sie mit der charmanten Idee, auf dem Grundstück Wohnungsbau betreiben zu wollen.

Sehr beeindruckend sind dabei noch die Versprechungen einen Mietpreis unter 10 Euro pro qm einhalten zu können.

Manchmal frage ich mich, für wie dumm wir gehalten werden, wenn neben den reinen Baukosten noch die Finanzierung von Grundstücks- oder Abrisskosten in die Kalkulation einfließt. Niemals lässt sich ohne öffentliche Zuschüsse so ein Mietpreis kostendeckend erzielen. Öffentliche Zuschüsse sind aber zum einen unsicher, zum anderen nicht gewollt, weil man sich dann ja einer langfristigen Mietpreisbindung unterwerfen müsste.

Sie glauben gar nicht, wie viele Mails und Briefe wir von Bauträgern, Projektentwicklern, Investoren aus ganz Deutschland erhalten, die im Fernsehen die Beiträge über die Wohnungsnot auf Sylt gesehen haben und uns gerne – natürlich vorzugsweise auf gemeindlichem Grundstück – mit dem Bau von vielen Hundert Wohnungen beglücken würden. Wenn der Bürgervorsteher oder ich das höflich ablehnen, ist es schon vorgekommen, dass wir von diesen Leuten als undankbar, arrogant abgestempelt werden.

Manch einer scheut nicht davor zurück uns mit Hilfe von bekannten Bundestagsabgeordneten auf den „richtigen“ Weg bringen zu wollen.

Die gemeindlichen Gremien setzen sich im Rahmen der gesetzlichen Grenzen radikal zur Wehr gegen das Profitstreben auf Kosten einer gesunden Zusammensetzung der Wohnbevölkerung.

Ich kann nur den Kopf schütteln über Geschäftsleute, die Wohnraum vernichten und danach von der Gemeinde einfordern, Wohnraum für ihre Angestellten zu schaffen.

Meine Damen und Herren, das ist die eine Seite von Sylt, andererseits habe ich großen Respekt vor den Syltern, die der Versuchung der Veräußerung widerstehen und –das gibt es tatsächlich noch – moderat an Mitbürger vermieten.
Neben dem wichtigsten Thema Dauerwohnraum haben sich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Inselverwaltung erneut gravierenden Veränderungsprozessen gestellt. Sie haben Mut und Engagement bewiesen zusätzlich zum operativen Geschäft in einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess , der Arbeitsabläufe verschlankt, Kosten-Leistungstransparenz bewirkt, einen Produkthaushalt mit kaufmännischer Buchführung einläutet und den Start für eine Digitalisierung des Sitzungsdienstes geschaffen hat. Viele unserer Gemeindevertreter arbeiten jetzt vorwiegend mit iPads.

Ich bin stolz, dass die Mitarbeiter bestrebt sind, die Verwaltung ständig weiter zu modernisieren.
Die Verwaltungsstruktur hat sich in 2012 ebenfalls verändert. Wir richteten ein neues Umwelt-Landschaft und Küstenschutzamt, kurz auch ULK genannt, ein, das sehr gut von Ruth Weirup geführt wird. Korrespondierend zu den Vorstellungen der Politik sollten Umweltangelegenheiten und Klimaschutz einen noch größeren Stellenwert bekommen.

Es sind drei Stabstellen nämlich Katastrophenschutz, Koordinator bzw. verwaltungsleitender Beamter für die Amtsgemeinden, und Projektleiter für den laufenden Verbesserungsprozesses entstanden.

KLM hat in Herrn Kopplin einen neuen hauptamtlichen Betriebsleiter, statt bisher 2 nebenamtliche, bekommen.

Herr Kopplin hat sich als großer Gewinn für die Betreuung der gemeindlichen Liegenschaften erwiesen.
Die Politik hat von mir durch Umorganisation ein Mitwirkungsrecht bei Personalentscheidungen auf Amtsleiterebene erhalten. Ich halte das für sinnvoll, weil ich mich kürzlich entschlossen habe, für 2015 nicht mehr kandidieren zu wollen. Die Politik soll genug Zeit haben, vor Ablauf meiner Amtszeit neue Weichen zu stellen und sich Gedanken zu machen über eine Nachfolge, da neuerdings die Parteien und Wählergruppen Wahlvorschläge für Bürgermeisterkandidaten einreichen können. Die Wahl eines neuen Bürgermeisters oder einer neuen Bürgermeisterin könnte bereits im Herbst nächsten Jahres erfolgen, daher ist es wichtig, sich rechtzeitig zu kümmern.

Doch zunächst gibt es für mich noch viel zu tun, die Kommunalwahl will vorbereitet und nachbearbeitet werden. In diesem Zusammenhang möchte ich Sie ermuntern, sich als Wahlhelfer zur Verfügung zu stellen, denn es fehlen uns noch Leute.

Wir brauchen überhaupt mehr Menschen, die bereit sind ein Ehrenamt zu übernehmen. Leider gibt es immer weniger Junge und Berufstätige, die bereit und in der Lage sind, nach Feierabend Verantwortung zu übernehmen. Das bereitet nicht nur den Vereinen, Feuerwehren und sozialen Einrichtungen Sorgen, sondern auch den politischen Parteien. Die Generationen, in denen es selbstverständlich war, ein Ehrenamt zu übernehmen, laufen allmählich aus.

So gesehen steuern wir langsam aber sicher auf eine Krise in der kommunalen Demokratie.

Ich bin gerne bereit an einem Konzept für die Steigerung der Attraktivität des politischen Ehrenamtes mitzuwirken, doch heute danke ich allen, die ein Ehrenamt bekleiden, mit höchstem Respekt.

Was gibt es noch zu tun ? Bei der Realisierung unserer millionenschweren Großprojekte wie Feuerwache, Schulzentrum, Wohnungsbau, Muasem Hüs, Oberflächenentwässerung, Verwaltungszentralisierung müssen die Haushaltsmittel zusammengehalten und sparsam gewirtschaftet werden. Wenn es uns in den nächsten beiden Jahren auf der Einnahmeseite so gut geht wie in 2012 und das Zinsniveau niedrig bleibt, dann können wir optimistisch in die Zukunft blicken.

Ich bin zufrieden darüber, dass wir die Fusion nach vielen Höhen und Tiefen nun erfolgreich abgearbeitet haben, denn viele andere wichtigen Dinge sind dadurch ins Stocken geraten. Jetzt ist es an der Zeit, dass wieder mehr Ergebnisse erzielt werden .

Sehr gefreut hat mich Ihre Spendenbereitschaft für Familien in Not, nachdem ein ausführlicher Pressebericht auf den Hilfsfonds noch einmal aufmerksam gemacht hatte. Innerhalb weniger Tage waren 4.500 Euro eingegangen. Das zeigt doch, dass es eine starke Solidargemeinschaft unter den Syltern gibt.
Für das neue Jahr, wünsche ich vor allem unserer Nordseeklinik, dass sie wieder in ruhigeres Fahrwasser gelangt, dass die betroffenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dort nicht nur einen Arbeitsplatz, sondern auch eine gute Perspektive erhalten, letztendlich zum Wohl aller Patienten.

Ihnen allen möge das neue Jahr Frieden, Gesundheit, Glück und Erfolg bringen.