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Gestern begann in der Landesvertretung von Schleswig-Holstein in Berlin eine zweitägige Konferenz zur Aquakultur in Deutschland. Dazu hatten die Deutsche Agrarforschungsallianz (DAFA) und das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft und ländliche Räume Schleswig-Holsteins gemeinsam eingeladen. Anlass ist die Vorstellung strategischer Ansätze zur Entwicklung der Aquakultur. In Deutschland wird derzeit ein „Nationaler Strategieplan Aquakultur“ aufgestellt. Schleswig-Holstein koordiniert diese Arbeiten federführend für die Bundesländer. Schleswig-Holsteins Umwelt- und Fischereiminister Robert Habeck stellte heute wesentliche Eckpunkte der Aquakulturstrategie vor. So gibt es in Deutschland grundsätzlich gute naturräumliche Potentiale für einen Ausbau der Aquakultur. Während es bei den klassischen Karpfenteichwirtschaften vor allem um die Erhaltung dieser traditionellen Produktionsform und damit auch um Kulturlandschaftspflege geht, bieten viele Fließgewässer in den Mittelgebirgsregionen, die riesigen neuen Seenflächen in den Tagebaufolgelandschaften Ostdeutschlands sehr gute Optionen für neue Produktionsstandorte. Auch die Fischerzeugung in geschlossenen Anlagen, sogenannte Kreislaufanlagen, wird künftig an Bedeutung gewinnen.

„Die größte Herausforderung beim Ausbau der heimischen Aquakultur ist die Bewältigung des Konfliktes zwischen der Fischzucht und den Zielen und Anforderungen des Gewässerschutzes“, sage Habeck heute in Berlin. „Eine Steigerung der Aquakulturerzeugung darf nicht dazu führen, dass wir Erfolge in der Reinhaltung von Flüssen, Seen und Meeren zunichte machen. Wir müssen Wege finden, beides in Einklang zu bringen, und dafür gibt es auch durchaus innovative Ansätze.“

Habeck verwies darauf, dass die Aufzucht von Fischen, Muscheln, Krebsen und Algen viele Vorteile bietet und im Vergleich zur Mast von Schweinen und Rindern wesentlich weniger ökologische Belastungen erzeugt. Außerdem haben sich Umweltbelastungen durch modernste Fischfuttermittel in den vergangen Jahren deutlich reduziert. „In Deutschland importieren wir derzeit fast 90 % der hierzulande verzehrten Fische und Meeresfrüchte“, so Habeck heute. „Nicht selten verlagern wir damit ökologische Probleme in die Herkunftsländer und erzeugen zusätzlich soziale Spannungen in Entwicklungsländern. Angesichts unserer zahlreichen ungenutzten Potentiale kann das nicht auf Dauer so weitergehen.“

Schleswig-Holsteins Umweltminister Habeck verwies in seinem Vortrag beispielhaft auf das geplante Vorgehen in seinem Bundesland. Dort soll künftig erprobt werden, ob durch die Kombination einer Fischzucht mit der Erzeugung von Muscheln oder Algen an der Ostsee eine umweltgerechte Aquakultur möglich ist. Die Muscheln und Algen würden dabei die Nährstoffe aufnehmen, die die Fische in das Wasser ausscheiden. Damit könnte das Verfahren insgesamt nährstoffneutral arbeiten und die ohnehin mit Nährstoffen überfrachtete Ostsee nicht weiter belasten. Wenn sich diese integrierte Erzeugung bewährt, könnte so künftig zumindest ein Teil der Importe ersetzt werden.

Kürzlich hat die EU Ihre Fischereipolitik umfassend reformiert und dazu eine neue sogenannte Grundverordnung erlassen. Erstmalig in der Historie der gemeinsamen Fischereipolitik enthält diese Grundverordnung auch Regelungen zur Aquakultur. Die EU anerkennt damit die erhebliche Bedeutung dieses Sektors und will mit den entsprechenden Regelungen die stärkere Erzeugung von Fischen und Meeresfrüchten in den Mitgliedsstaaten fördern. Herzstück dieser neuen EU rechtlichen Regelungen ist die Pflicht, nationale Strategiepläne für Aquakultur aufzustellen und der EU vorzulegen. Dazu hatte die EU bereits im Frühjahr 2013 „Strategische Leitlinien für eine nachhaltige Aquakultur“ veröffentlicht, die eine wesentliche Grundlage für die nationalen Pläne darstellen. Die Strategiepläne sollen die geplante Entwicklung des Sektors bis 2020 beschreiben, 2017 wird eine Zwischenbilanz fällig. Noch bis Mitte März läuft in Deutschland eine Öffentlichkeitsanhörung zum Strategiepapier, die Endfassung muss dann spätestens am 30. Juni der EU vorgelegt werden.