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Da lacht das Friesenherz: die Biike brennt und ein Ende der kurzen dunklen Tage ist in Sicht. Der ursprünglich zur Verabschiedung der Walfänger dienende Brauch verabschiedet eindrucksvoll den Winter, auch wenn am 21. Februar nicht ad hoc frühlingshafte Temperaturen zu erwarten sind. Dafür wärmt das Feuer, der Klönschnack, der Schnaps – und nicht zuletzt das gemeinsame Singen der  Sylter Nationalhymne Üüs Sölring Lön.

Feurige Tradition: Der Pidder brennt

Besonders heiß wird es für Pidder, der als  Symbol für den Winter den Petritag selbstredend nicht mehr erleben darf. Pidder ist eine Strohpuppe oder einfach ein auf einem Pfahl steckendes Fass. Er thront mitten in der Biike, einem aus brennbaren Gehölzen und ausgedienten Weihnachtsbäumen angehäuften Hügel. Zumindest solange, bis das Signal „Tjen di Biiki ön“ („Zündet die Biike an“) zum Anzünden des Feuers ertönt. Eine Weile noch hält er sich wacker – doch irgendwann bringen ihn die Flammen unter dem Johlen der Zuschauer zum Sturz und damit zum Verbrennen.

Das Publikum feuert das Schauspiel gut gelaunt mit Reden und fliegenden Fackeln an und singt zum Abschluss feierlich die Sylter Hymne Üüs Söl’ring Lön.

Üüs Sölring Lön (Unser Sylter Land)

Wer kein Sölring spricht und trotzdem den Text der Sylter Hymne mitsingen möchte, lernt ihn am besten auswendig. Oder druckt ihn aus. Die Melodie kriegt man dann beim gemeinsamen Singen schon hin. Im Zweifel: Summen geht auch.

Text der Sylter Hymne

Üüs Sölring Lön, dü best üüs helig, dü blefst üüs ain, dü best üüs Lek! Din Wiis tö hualen sen wü welig! Di Sölring Spraak auriit wü ek. Wü bliiv me di ark Tir forbünen, sa lung üs wü üp Wârel sen.
Uk diar jaar Uuning bütlön fünen, ja leeng dach altert tö di hen.

Kumt Riin, kumt Senenskiin, kum junk of lekelk Tiren, tö Söl wü hual aural,
wü bliiv truu Sölring Liren.

Di Seewinj soong me litjem Suusin hur ik üp Söl üs Dütji slöp, fan Strön jert ik dit ewig bruusin, üs ik bi Mooters Hun jit löp.
Ik haa di Staírer al bihölen, diar jens üüs Jungens Hemelrik, di Teft ön Uursem fol fan Krölen, üüs Spölplaats bi di Bosk üp Dik.

Kumt Riin, kumt Senenskiin, kum junk of lekelk Tiren,
tö Söl wü hual aural,
wü bliiv truu Sölring Liren.

Und hier die Übersetzung:

Unser Sylter Land, du bist uns heilig,
du bleibst unser Eigen, du bist unser Glück! Deine Sitten wollen wir erhalten!
Die Sylter Sprache vergessen wir nicht. Wir bleiben mit dir allzeit verbunden, solange wir auf der Erde sind.
Auch, wer seine Wohnung draußen gefunden, sehnt sich doch immer zu dir hin.

Kommt Regen, kommt Sonnenschein, kommen dunkle oder glückliche Zeiten, zu Sylt halten wir immer;
wir bleiben treue Sylter Leute.

Der Seewind sang mit leisem Säuseln,
wo ich auf Sylt als Säugling schlief,
vom Strand hörte ich das ewige Rauschen, als ich an Mutters Hand noch lief.
Ich habe die Plätze alle behalten,
die einst unser Kinderparadies:
die Wiese am Haus, im Frühling voller Blumen, unser Spielplatz bei dem Busch am Deich.

Kommt Regen, kommt Sonnenschein, kommen dunkle oder glückliche Zeiten, zu Sylt halten wir immer;
wir bleiben treue Sylter Leute.

Grünkohl für alle

Der Winter ist nun vertrieben und die Biike nur noch ein glühender Haufen. Zeit, der Jugend Platz zu machen, die gerne im Schutz der Dunkelheit noch ein wenig unter sich ist. Für alle anderen kommt jetzt  der gemütliche Teil. Gemeinsam mit Freunden und Familie geht es traditionell zum Grünkohl essen. Ob zu Hause oder im Restaurant – Hauptsache deftig mit süßen Kartoffeln, Schweinebacke, Kassler und Co. sowie dem ein oder anderen alkoholischen Getränk. Der Abend kann schon mal länger werden und so manch einer erwacht am nächsten Tag mit dickem Kopf.

Grünkohl zur Biike

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