Frühlingserwachen beim Bogenschießen auf der Insel

Ich habe ein neues Hobby. Und das teile ich mit so illustren Persönlichkeiten wie Amor, Ötzi und Robin Hood. Wobei diese vermutlich nichts mit der Bezeichnung Hobby anfangen konnten. Es geht um Bogenschießen. Genauer gesagt, um intuitives Bogenschießen auf Sylt. Mehr oder weniger durch Zufall bin ich im Herbst, kurz vor Saisonende, auf Peter gestoßen. Peter ist Inhaber von Youksakka und er hat mich innerhalb von einer halben Stunde zum Fan gemacht.

Einfach mal loslassen

Meine erste Lektion beim Schnupperkurs: Loslassen ist schwieriger als gedacht. Peter hatte mir bereits perfekt erklärt, wie ich zu Stehen hatte (verkürzt gesagt, habe ich meine Füße tief in den Boden Wurzeln schlagen lassen) und wie ich Bogen und Pfeil halten sollte. Nun sollte ich die gespannte Sehne samt Pfeil einfach loslassen, auf dass er die Zielscheibe treffen möge. Tja – einfacher gesagt als getan. Mein Gehirn hatte vor lauter Konzentration auf die richtige Haltung den Befehl zum Loslassen einfach nicht auf dem Schirm. Zum Glück hatte Peter für verspannte Menschen wie mich auch hier ein paar Tricks auf Lager und schwups … schon flog mein erster Pfeil gen Ziel. Er zischte auch wirklich nur sehr knapp an der Scheibe vorbei. Die nächsten Versuche wurden immer besser und schließlich traf jeder Pfeil die Scheibe. Juhu! Es muss der Ehrlichkeit halber erwähnt werden, dass es sich um den Anfängerplatz handelte und das Ziel nur wenige Meter entfernt stand.

Intuitiv ins Ziel

Nach diesen ersten kleinen Erfolgen durfte ich zu den Könnern an den richtigen Schießstand. Ich sollte mein auserwähltes Ziel anpeilen und intuitiv immer besser werden. Intuitiv? Peter erklärte es mir: „Intuitiv meint, dass du mit beiden Augen auf das Ziel schießt und dein Körper von selbst zielt“.

Ach so, dann konnte ja nichts mehr schief gehen. Ich peilte die Eule an (zur Auswahl standen diverse Tierfiguren und unterschiedliche Zielscheiben): Die richtige Position einnehmen, zur Ruhe kommen, Bogen spannen, Pfeil loslassen … zisch. Getroffen! Den Hasen. Auch klein und braun. Nächster Versuch. Zisch, getroffen. Der Hase. Ebenso der nächste Versuch. Hm, meine Intuition schien mich im Stich zu lassen. Meine fortgeschrittenen Nachbarschützen waren zwar durchaus ein bisschen beeindruckt von der Anzahl meiner Treffer, aber die konnten ja auch nicht wissen, dass mein Ziel die Eule war. Nicht der Hase!

Hase gerettet

Irgendwann hat es dann doch noch geklappt und ich habe die Eule erwischt. Der Hase war mir sehr dankbar. Leider konnte ich meine neu errungenen Fähigkeiten als Bogenschützin nicht mehr perfektionieren, da die Saison sich dem Ende neigte. Aber nun geht es wieder los.  Seit heute können große und kleine Schützen auf der Insel wieder loslegen. „Bei uns kann man nicht nur das Bogenschießen lernen und selber schießen, sondern auch seinen eigenen Bogen bauen“, erklärt Peter, „ Jetzt in der Saison haben wir eigentlich jeden Tag auf“. Ich bin in jedem Fall wieder dabei. Und wer weiß, vielleicht baue ich mir auch meinen eigenen Bogen. Einen mit intuitiver Eulen-Treffautomatik.

Ach ja, oben erwähnte ich Ötzi. Die Geschichte des Mannes aus dem Eis wurde kürzlich verfilmt mit Jürgen Vogel. Nicht nur alle Bögen des Films stammen von Peter, auch wurde das Filmteam von Peter geschult. Sylt goes Hollywood! Den Bogen zum Film kann man übrigens kaufen.

 

Fotos: Youksakka