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Elf Sylter Kinder haben im vergangenen Jahr bei der Sylter Schutzstation Wattenmeer in Hörnum erfolgreich ihre Prüfung zum Kinderwattführer abgelegt. Denn wer könnte Kindern das Watt besser erklären als Kinder.

„Ich bin Svea und erzähle euch jetzt, wie die Gezeiten entstehen. Bitte setzt euch im Halbkreis um mich herum.“ Die Achtjährige malt mit einer Schaufel einen Kreis ins Watt. Um sie herum stehen Kinder ihrer Schulklasse und lauschen gebannt, während Svea die Entstehung der Gezeiten erklärt. „Das ist die Erde. Wie sieht sie aus dem Weltraum betrachtet aus? Richtig, blau. Deshalb male ich einen Wassermantel drumherum. Was brauchen wir jetzt? Einen Mond!“

Sandwürmer, Muscheln, Krabben und Krebse – das Leben im Watt ist erstaunlich vielfältig. Nicht jeder, der auf einer Nordseeinsel wohnt, kennt sich auch auf ihr aus. „Jahr für Jahr kommen zahlreiche Schulklassen nach Sylt und lassen sich von uns das Watt erklären“, sagt die Biologin Kirsten Thiemann von der Schutzstation Wattenmeer in Hörnum. „Aber was ist eigentlich mit den Kindern, die hier leben?“ Unter dem Motto „Kinder erklären Kindern das Watt“ wurde deshalb 2010 dieses Projekt gestartet, das mit der Hörnumer Grundschule seinen Anfang machte. 2011 konnte es mit Kindern der 3. und 4. Klassen aus anderen Sylter Gemeinden fortgesetzt werden. Als professionelle Wattführer sollen die Kinder selbstverständlich nicht eingesetzt werden, „aber sie sollen in der Lage sein, ihren Mitschülern den Naturraum Wattenmeer zu erklären“.

Zwei Monate lang kamen die kleinen Naturforscher deshalb regelmäßig nach Hörnum – außerhalb der Schulzeit. Zunächst stand Lernen auf dem Programm: Wie funktionieren Ebbe und Flut? Was sind Dünen und Salzwiesen? Wo dürfen Kinder toben, wo sind sensible und geschützte Bereiche? „Das müssen die Kinder natürlich wissen, wenn sie es anderen erklären wollen“, sagt Thiemann. Und: „Frei vor der Klasse zu erzählen, ist ebenfalls eine Herausforderung an sich.“

Wie fasse ich eine Strandkrabbe an, ohne dass sie mich beißt? Und wie schmecken eigentlich die Pflanzen in den Salzwiesen? Und was kann man tun, wenn sich bei einer Wattwanderung jemand verletzt? Wirklich interessant wird es, wenn es hinaus in die Natur geht, ins Watt: Wattwürmer ausgraben, Prile durchwaten, Schlick untersuchen – und das auch mal bei widrigen Witterungsverhältnissen. Thiemann: „Windstärke sieben, das ist für einen Knirps eine ganze Menge. Aber die Kinder haben dabei auch noch eine Menge Spaß.“ Zum Unterricht gehörten zudem eine Seetierfangfahrt und ein Ausflug zu den Kegelrobben.

Das Ende der zweimonatigen Ausbildung markiert dann eine Abschlussveranstaltung – ohne Prüfung kein Wattführer. Kirsten Thiemann ist immer dabei und hakt nach, wenn es sein muss. Doch Svea hat alles im Griff. Noch immer sind Ebbe und Flut das Thema. Routiniert ritzt Svea den Mond in den feuchten Meeresboden: „Massen ziehen sich an. Daher braucht der Mond uns. Er fliegt immer um die Erde. Aber auch der Mond zieht am Wasser und so entstehen Flutberge.“ Schwerkraft, Fliehkraft, Anziehungskraft – nicht nur für die Kinder, auch für die Eltern, die hier ihr Schulwissen von einst reaktivieren, ist eine Wanderung mit den kleinen Wattführern eine interessante Erfahrung.