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Manche lieben es zu kochen, manche lieben es zu essen. Ich gehöre ausschließlich zur zweiten Kategorie und deshalb sind regelmäßige Restaurantbesuche fester Bestandteil meines Lebens. Vielleicht sollte ich dazu sagen, dass ich nicht nur gerne , sondern vor allem gerne gut esse. Auf Sylt gibt es zum Glück recht viele gastronomische Highlights. Eines davon habe ich nun zum ersten Mal besucht: das Siebzehn84 Restaurant by Holger Bodendorf im Landhaus Stricker. Und bin begeistert.

Der Gast ist König

“Nicht die besondere Küche oder der sorgfältige Weinkeller, sondern Gäste beflügeln ein Restaurant zu einem außergewöhnlichen Ort.”

Das steht nicht nur in der Speisenkarte, das wird im Landhaus Stricker offensichtlich auch so gelebt. Jasmin, die junge Frau, die für unseren Tisch heute Abend zuständig ist, vermittelt uns das Gefühl, wirklich willkommen zu sein. Nicht auf eine steife, servile Art, sondern einfach richtig nett und unkompliziert. So mag ich das. Auch die anderen Gäste scheinen sich wohlfühlen. Sei es der Herr mit seinen beiden Enkelinnen im Teenager-Alter, die junge Familie am Nebentisch oder die größere Gruppe junger Leute mit dem lustigen Terrier – Jung und Alt werden von Jasmin und ihren Kollegen bzw. Kolleginnen gleichermaßen herzlich bedient. Selbst der Hund kommt nicht zu kurz.

Später, beim Digestif in der (im übrigen sehr schönen) Bar, werden wir genauso freundlich empfangen und beraten. Holger Bodendorf schaut persönlich vorbei und unterhält sich gut gelaunt mit den Gästen. Auch wir plaudern eine Weile mit ihm über seine Philosophie der Gastfreundschaft, über gute Speiselokale auf Sylt für jeden Tag (auch ein Sternekoch möchte mal Pause haben und mit Frau und Kind einfach unkompliziert essen gehen) und über Reiseziele im allgemeinen. Stern hin oder her, der Mann ist sympathisch bodenständig geblieben.

Genuss für die Sinne

Wenn wir schon einmal da sind, gönnen wir uns direkt das angebotene 5-Gänge-Menü mit Weinbegleitung. Da muss man nicht groß nachdenken und kann sich einfach entspannt auf das freuen, was wohl kommen mag. Nach Brot mit einem Butter – und einem Zucchinischaum bringt uns Jasmin den ersten Gang: Einen lauwarmen Quinoa-Salat mit confiertem (langsam gegarten) Lamm, marinierten Gurken und Ingwer-Sesamöl-Vinaigrette. Ich habe wirklich selten einen so köstlich zubereiteten Quinoa-Salat gegessen. Hmmmm. Dazu gibt es ein Glas 2016er Scheurebe von Hans Wirsch. Passt.

Danach geht es weiter mit Risotto von weißem Spargel mit gebratenen Wachtelbrüstchen, Rotweinbutter und Belper Knolle (ein Frischkäse). Der Spargel ist knackig, das Risotto auf den Punkt, das Fleisch hauchzart und das Sößchen… hach. Der Wein, ein Weißburgunder von Emil Bauer, ergänzt das Gericht perfekt. Herrlich. Im normalen Leben wäre ich eigentlich jetzt bereits satt, denn die Portionen sind durchaus reichhaltig. Jasmin bringt den nächsten Gang aber mit angemessenem Abstand, so dass ich auch den Kabeljau mit asiatischem Spitzkohl, Sesam-Kartoffelstampf und Currysauce wieder richtig genießen kann. Und das tue ich auch. Der dazu gereichte Riesling aus dem Rheingau (Künstler) ist – wie erwartet – eine gute Wahl.

Beim Hauptgang muss ich dann leider doch passen: Beim besten Willen kann ich die auf der Zunge zergehenden Medaillons von Rinderfilet nicht aufessen. Nächstes Mal bestelle ich mir den Hauptgang wohl besser als kleine Portion – das geht hier nämlich.  Immerhin lasse ich keinen Krümel vom Risotto von Waldpilzen, den gegrillten Lauchzwiebeln und dem Purple Curryjus übrig. Das wäre einfach zu schade. Den Rotwein aus Apulien, einen Tormaresca Neprica, kannte ich noch nicht. Neprica besteht aus Negroamaro, Primitivo und Cabernet Sauvignon und riecht intensiv nach Beeren und Gewürzen. Im Abgang bleibt er allerdings eher flach (wir haben vor dem Essen davon probiert) – was sich später als ideal erweist, so kommen sich die Aromen von Wein und Fleischgang nicht in die Quere.

Zum Nachtisch werden wir noch mit einem Frappé “Exotik” mit Mango, Passionsfrucht, Pina-Colada-Schaum und Ingwercrumble verwöhnt. Köstlich. Dazu serviert uns Jasmin noch einen 2011er Riesling Kabinett von Künstler. Ein Genuss! Jetzt nur noch einen Espresso (mit einem hausgemachten Pralinchen dazu) und wir sind rundum glücklich. Das war toll.

Zwei Restaurants und eine Bar

Neben dem Sterne-Restaurant und dem Siebzehn84 bietet das Landhaus Stricker auch eine stylishe Bar, die Miles Bar. Dorthin zieht es uns für das Schnäpschen zum Abschluss. Nach dem lukullischen Genuss von eben sind wir bescheiden und belassen es bei einer Williams Birne und einem alkoholfreien Cocktail. Allerdings beschließen wir sofort, demnächst wiederzukommen – alleine die Gin-Auswahl auf der umfangreichen Barkarte ist ziemlich verlockend.

Auch das Siebzehn84 steht ab sofort auf meiner “Wohin gehe ich heute zum essen?”-Liste. Das Menü war der Hammer und der Preis definitiv fair. Es müssen ja nicht immer gleich mehrere Gänge sein, im Alltag tun es auch Klassiker wie ein Caesar-Salat oder ein Burger – die stehen nämlich auch auf der Karte. Die probiere ich beim nächsten Mal.

 

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