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Kristin Alheit, Ministerin für Soziales, Gesundheit, Familie und Gleichstellung hat sich heute, den 25.4.2013 erneut für eine gesetzliche Regelung zur Frauenquote ausgesprochen. Dafür hatte sich Schleswig-Holstein im Bundesrat eingesetzt. Anlässlich der Landtagsdebatte betonte Alheit:

“Der Anteil von Frauen in Führungspositionen ist nach wie vor zu gering. Die freiwillige Selbstverpflichtung der Wirtschaft zu einer Frauenquote hat bisher nicht gegriffen, daher ist eine gesetzliche Regelung notwendig. Der Einsatz für eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern ist nicht nur ein Gebot des Grundgesetzes, ich bin überzeugt, dass auch die Unternehmen von mehr weiblichen Führungskräften deutlich profitieren werden.

Für die Landesregierung ist klar: Wir bekennen uns zu der Aufgabe, die tatsächliche Gleichberechtigung, die tatsächliche Gleichheit von Lebenschancen von Männern und Frauen zu verwirklichen. Frauen machen mit einem Anteil von 51 Prozent mehr als die Hälfte der deutschen Bevölkerung aus. 44 Prozent der Berufstätigen sind weiblich. Der Wunsch von Frauen, sich am Erwerbsleben zu beteiligen, ist in den letzten Jahren gestiegen. In Führungspositionen sind sie aber massiv unterrepräsentiert. Egal, welche Zahlen Sie zugrunde legen, zumindest darüber lässt sich kaum streiten.

Die Landesregierung ist der Auffassung: Wenn etwa in Dax-Unternehmen gerade einmal vier Prozent der Aufsichtsratsmandate von Frauen ausgeübt wird, dann ist das kein Naturgesetz. Und auch nicht Ausweis einer anders gelagerten Interessenlage von Frauen. Sondern es zeigt, dass in bestimmten gesellschaftlichen Bereichen nach wie vor Rekrutierungsmechanismen bestehen, die Frauen strukturell diskriminieren.

Es trifft eben nicht zu, dass nur ein Bruchteil der Frauen in unserem Land herausgehobene Verantwortung zu übernehmen bereit ist. Und ich sage dem einen oder anderen, der einen anderen Eindruck hat: Das könnte dann damit zu tun haben, dass man sich in einem Umfeld bewegt, dass für moderne, gebildete und gut ausgebildete Frauen vielleicht besonders unattraktiv ist.

Eines hat mich an der Debatte der letzten Wochen außerordentlich irritiert: Das Gegeneinanderstellen der Interesse von vermeintlich “Wenigen” in Aufsichtsräten einerseits und die allgemeine Verbesserung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie andererseits. Es ist befremdlich, dass hier die Überwindung von Diskriminierungen als Minderheitenthema deklariert wird. Das ist es aber nicht. Es geht um die Frage, ob wir in einer Gesellschaft leben wollen, die Diskriminierungen hinnimmt – oder nicht.

Es stimmt: nicht wenige Frauen, entscheiden sich angesichts der Probleme bei der Vereinbarkeit von Familie und Karriere gegen eine Karriere. Nur: auch das ist ja gerade Teil der strukturell diskriminierenden Bedingungen. Wie wäre wohl um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bestellt, wenn Männer Kinder kriegen würden? Ich schätze mal: etwas anders.

Es stimmt auch: früher war das alles noch schlechter. Und der demografische Wandel macht es auch auf der Ebene der Führungskräfte schlicht erforderlich, dass mehr Frauen teilhaben. Vor diesem Hintergrund hat die Rot-Grüne Bundesregierung 2001 eine Vereinbarung mit den Spitzenverbänden der Wirtschaft für mehr Frauen in Führungspositionen abgeschlossen. Die Charakteristika dieser Vereinbarung waren: Freiwilligkeit, Selbstverpflichtung und – leider! – Wirkungslosigkeit.

Ich bin wahrlich nicht immer einer Meinung mit Bundesministerin Schröder. Aber ich bin ihr außerordentlich dankbar dafür, dass sie das in der letzten Woche im Bundestag noch einmal ganz pointiert festgestellt hat. Bloß ist dann die Schlussfolgerung, wiederum auf Unverbindlichkeit zu setzen, – diesmal mit dem Etikett “Flexi” – inkonsequent und unzureichend.

Es ist, und das bestätigen ernsthafte Untersuchungen über die Rekrutierungsmechanismen für Führungspositionen immer wieder, immer noch so, dass die Ausgestaltung von Führungspositionen an männlichen Lebenswelten orientiert ist. Diese Positionen sind nach wie vor an eine Anforderungsstruktur und -kultur geknüpft, die am ehesten mit einem klassischen männlichen Rollenbild vereinbar ist. Dass das mitnichten ein Sachzwang ist, machen uns unsere Nachbarinnen insbesondere in Skandinavien sehr erfolgreich vor.

Eine Repräsentanz von Frauen in Führungspositionen, die über einen Minderheitsstatus hinausgeht, bedeutet deshalb einen Bruch mit der bisherigen Unternehmenskultur. Alle wissen: So etwas löst auch Abwehr aus und braucht Zeit. Aber es genügt eben nicht, sich in Geduld zu üben. Es bedarf – endlich – klarer Regeln. Diskriminierung ist kein Zufall. Ihre Überwindung darf es auch nicht sein. Die Landesregierung wird sich daher weiterhin intensiv für eine verbindliche Frauenquote in Führungspositionen der Wirtschaft einsetzen.”