Sport wird auf Sylt groß geschrieben: Surfing, Polo, Running oder Biking, für jeden Geschmack ist etwas dabei. Auch Golfer kommen auf ihre Kosten, es gibt regelmäßig spannende Turniere. Gleich vier schöne Plätze hat die Insel zu bieten, wir – als Hobbygolfer mit mäßigem Handicap – haben uns diese mal genauer angeguckt.

Golfclub Budersand

Zum Glück gibt es eine Treppe. Die großzügig auf dem Platz verteilten Topfbunker des GC Budersand ziehen mich bzw. meinen Ball nämlich magisch an – und ohne Treppe kommt man nur mit Mühe wieder aus dem Sand, vom Ball ganz zu schweigen. Im Bunker liegt er allerdings – relativ betrachtet – ganz gut, hier sieht man ihn wenigstens. In der wunderbaren Heidelandschaft eher nicht.  Okay, man könnte natürlich auch das Fairway treffen – was angesichts des Nordseewindes und meines amateurhaften Spiels aber gar nicht so einfach ist. Egal. Der Platz ist toll.

Als typischer (18Loch) Links Course ist er eine echte Herausforderung: unerwartet hügelig, schmale und recht lange Fairways, tricky Greens und ohne Ende Landschaft, in der die Bälle sich gekonnt verstecken. Auch gute Spieler sind schon mal länger mit der ein oder anderen Suche beschäftigt, da vor allem hohe Bälle aufgrund windiger Böen die Flugrichtung gerne kurzfristig ändern. Die wunderbar nordische Natur mit dem Blick aufs Wattenmeer machen den ein oder anderen Ballverlust aber locker wett. Sensible Golferseelen müssen sich allerdings darauf einstellen, dass sie bei missglückten Schlägen gnadenlos von den laut gackernden Möwen ausgelacht werden.

Die Bahnen 14 und 15 sind meine Favoriten – die eine, ein Par 4, geht leicht bergauf mit sensationeller Aussicht am Green, die andere bietet den Meerblick direkt beim Abschlag und macht einfach Spaß. Denn das kurze Par 3 wirkt nach den ganzen langen Fairways eher easy, entpuppt sich aber schnell als durchaus knifflig. Für Golfer wie mich, die nur partiell treffsicher sind, eine echte Herausforderung. Gut zu wissen, wenn man länger unterwegs ist: Nach den Bahnen 6, 9 und 11 steht ein WC zur Verfügung.

In der Hauptsaison hat der Spaß seinen Preis … es sei denn, man startet erst nachmittags, da wird es deutlich günstiger. Und an einem sonnigen Wintertag kann man sogar zum Schnäppchenpreis spielen. Vor der Runde kann man sich im Pro-Shop edel einkleiden (oder wie ich einfach ein Paar Socken kaufen) und ein bisschen Putten (mit sensationellem Weitblick) oder den Abschlag (nur ins Netz) üben. Nach dem Spiel lockt ein kühles Getränk auf der Terrasse des Lokals Strönholt– mit perfekter Aussicht über den ganzen Platz. Richtig gut haben es die Gäste, die im angrenzenden Hotel Budersand eingecheckt haben, vielleicht sogar mit einem der dort angebotenen Golfarrangements. Dort werden die verspannten Golfermuskeln im Spa wunderbar auf die nächste Runde vorbereitet.

Marine Golfclub Sylt

Von wegen elitär – der Marine GC Sylt empfängt Gäste herzlich und bodenständig, auch Anfänger werden nicht schief angeschaut. So startet die Runde entspannt. Wer vorher seine Fertigkeiten noch ein bisschen üben möchte, ist ebenfalls an der richtigen Adresse. Auf der großzügigen Driving Range und den Putting-, Pitching- sowie Chipping-Greens lassen sich die diversen Schläge bestens trainieren und der ein oder andere Schwungfehler schon vor dem Spiel ausmerzen. Wer das nicht alleine schafft, kann sich in der Golfakademie auch professionell trainieren lassen. Es schadet auch nicht, sich im Übungsbunker mental und praktisch auf die 77 über den Platz verteilten, teilweise sehr tiefen Bunker vorzubereiten. Ich persönlich übe allerdings nie vor dem Spiel – auf dem Platz klappt mein im Training perfektionierter Abschlag sowieso nicht.

Ob mit oder ohne Training, es sind 9 oder 18 Loch zu meistern. Das ist angesichts der typischen Sylter Dünen- und Heidelandschaft des Platzes ein echtes Vergnügen. Der frische Wind weht einem um die Nase, der Blick reicht weit und die Fairways sind breit genug, sie einigermaßen regelmäßig auch zu treffen. Die Greens sind nicht zu schnell und – wenn man das ab Loch 2 oder 3 verinnerlicht hat – gut spielbar. Bäume gibt es auch, und zwar mehr als auf den ersten Blick erwartet. Das ist optisch schön, spieltechnisch manchmal … sagen wir semi-optimal. Für mich mit einem mäßigen HCP von -35,5 ist der Platz definitiv entspannt zu bespielen, trotz einiger verlorener Bälle und trotz der eher langen Fairways. Beim ersten Mal hatte ich etwas Schwierigkeiten, mich zu orientieren, aber letztlich habe ich doch jede Bahn und jedes Green gefunden – und das sogar in der richtigen Reihenfolge.

Man startet mit einem ordentlich langen und eher einfachen Par 5. Das ist perfekt, um sich einzuspielen (vor allem, wenn man vorher nicht geübt hat). Kurze, präzise Schläge werden dann am dritten Loch gefordert, ein nettes Par 3 mit Sandhindernissen. Aber besser Sand als Wasser: An Loch 11 zieht nämlich ein Wassergraben meine Bälle magisch an. Loch 14 schließlich ist arg lang (für mich 464 m, wenn ich geradeaus spielen würde) und recht tricky. Schon wieder ein Ballverlust. Das letzte Loch ist nochmal ein Par 5, mit Wassergraben – hier geht mir die Kraft aus, um noch Punkte zu machen.

Mein Energiespeicher ist im Marine Bistro schnell wieder aufgeladen. Ich sitze windgeschützt im Strandkorb auf der Terrasse, freue mich rückblickend über meine Leistung und genieße je nach Tagesform ein kühles oder warmes Getränk und irgendeine kleine Leckerei. Meine Quintessenz: Nett hier. Der Platz, die Leute, die Atmosphäre.  Und das Preis-Leistungsverhältnis stimmt auch. Weniger bezahlt außerhalb der Kernzeit (9:30h bis 14:30h), außerdem gibt es günstigere Specials. Wenn der Platz voll ist, ist die Kernzeit den Spielern mit einem HCP besser -45 vorbehalten.

GC Morsum auf Sylt

Wir scheitern fast schon bei der Anreise. Der Morsumer Golfclub liegt für Ortsunkundige ziemlich versteckt und keine auffallenden Schilder weisen den Weg. Trotzdem sind Gäste (mit einem HCP besser als -34) zu bestimmten Zeiten herzlich willkommen, allerdings ist eine vorherige Anmeldung über die Homepage erwünscht. Als nicht ganz so gute Golferin gucke ich mir den Platz erstmal als Begleitung meines Mannes an. Der hat ein HCP von -23,5 und sollte in der Lage sein, den Morsumer Ansprüchen zu genügen.

Wir werden freundlich empfangen und das Greenfee ist mit 85 Euro erwartungsgemäß eher gehoben. Das reetgedeckte Clubhaus ist klein und fein und bietet eine ebensolche Küche. Wir starten den Golftag ausnahmsweise mit einer Tasse Kaffee. Nur keine Hektik. Alles hier wirkt ruhig und entspannt – perfekt nach dem ganzen Westerländer Trubel. Dann geht es los. Der erste Abschlag hört sich gut an, auch wenn wir den Ball wegen der blendenden Sonne nicht direkt landen sehen. Glück gehabt, Fairway getroffen. Schön ist es hier. So als Begleitung und Aushilfs-Caddie habe ich noch mehr Zeit, die Schönheit der idyllischen Natur zu bewundern. Die Morsumer Salzwiesen mit leicht hügeliger Deichlandschaft und altem Baumbestand sind ein Traum. Aber ich bin ja nicht zum Bummeln hier, also konzentriere ich mich wieder auf den Ball meines Gatten.

Und der fliegt ziemlich gut. Könnte daran liegen, dass wir einen windstillen Tag erwischt haben. Oder daran, dass weder vor uns ein Flight bremst noch hinter uns ein Flight drängt. Oder einfach an der entspannten Atmosphäre. Das nächste Loch ist ein Par 3 mit Wattenmeerblick, wie schön. Der Platz ist super gepflegt (sowohl Fairways als auch Greens) und nicht zu schwer, aber spielerisch durchaus anspruchsvoll. Das ein oder andere Wasserhindernis muss überwunden werden (Löcher 6,7 und 8 vor allem) und in Wattnähe kommt einem schon mal ein Deich in den Weg (Loch 3). Meinem Mann macht’s Spaß und ich merke, wie es auch mir in den Fingern kribbelt. Da muss ich wohl mal wieder ein paar Turniere spielen, um das nötige Handicap zu bekommen. Denn eins ist klar – hier will ich auch spielen. Einen besseren Platz zum Abschalten vom Alltag kann ich mir grad nicht vorstellen.

GC Sylt

Der Kampener Leuchtturm ist im wahrsten Sinne des Wortes das Highlight. Ob bei der Anreise, direkt am ersten Abschlag oder später beim verdienten Drink im Restaurant – der schwarzweiße Turm bleibt immer im Blickfeld und erinnert charmant daran, dass man sich auf dem nördlichsten Golfplatz Deutschlands befindet. Herrlich.

Es versteht sich von selbst, dass auch der Golfclub Sylt eine phantastische Landschaft zu bieten hat. Sylt eben. Ich freue mich die ganze Zeit über das glitzernde Wattenmeer am Horizont, die herbschöne Heidelandschaft und immer wieder über den Leuchtturm. Als typischer Küstenplatz weht auch hier natürlich meistens eine ordentliche Brise. Ich mag das. Und mein Spiel stört es auch nicht allzu stark, denn der ein oder andere Ball von mir zischt sowieso unelegant, aber bodennah unter den Windböen her.

Rein theoretisch kann man hier auch den ganzen Tag mit dem Perfektionieren seines Golfspiels verbringen. Auf dem recht großzügigen Übungsgelände oder auf dem 9-Loch-Kurzplatz, bei dem in der Kürze reichlich Würze liegt – in Form von Bunkern und Wasserhindernissen. Ach ja, eine Golf-Akademie gibt es auch noch. Für mich heißt es aber wie meistens, einfach kurz warm machen und ab auf den „richtigen“ Platz.

Das ist in dem Fall ein 18-Loch-Links Course mit meistens einigermaßen breiten und gepflegten Fairways. Die könnte man theoretisch treffen. In der Praxis ist es ist ja auch schön, ab und zu beim Ballsuchen die Roughs zu bewundern. Apropos Suchen … eine Angel ist ein durchaus nützliches Accessoire, wenn man nicht im Wasser nach seinem Ball tauchen möchte, was wahrscheinlich auch verboten ist. Wasser gibt es nämlich reichlich, die Löcher 9, 14 und 18 eignen sich besonders gut zum Bälle versenken. Und wo wir schon beim Versenken sind, an Loch 8 gibt es zwar kein Wasser, dafür ist das Green nahezu umzingelt von Bunkern. Es gibt also die ein oder andere Herausforderung, die zu meistern richtig Spaß macht. Was in meinem Fall nicht immer klappt, Spaß macht es trotzdem.

Am Ziel erwartet mich die Belohnung im wirklich schönen Restaurant. Ich sitze normalerweise nicht gerne drinnen nach einer Runde und fahre lieber direkt nach Hause, wenn das Wetter nicht terrassengeeignet ist. Hier mache ich eine Ausnahme, denn das zweistöckige Lokal ist wunderbar hell und einladend konzipiert – und bietet den coolen Abschlussblick auf den Kampener Leuchtturm. Lecker ist es hier auch. Und weil’s so schön ist, kauf ich mir im Anschluss im Pro-Shop nebenan endlich einen neuen Golfhandschuh. Ach ja, fast hätte ich es vergessen – das Greenfee ist  inseltypisch okay, es gibt auch günstige Varianten.