Das Buch des Sylter Immobilienmaklers Eric Weißmann Aber bitte mit Reet

Philip Köster ist seit mehr als zwei Jahren der beste Waverider der Welt. Kein anderer
Windsurfer reitet so gekonnt und spektakulär die Wellen ab, kein anderer
Konkurrent springt so hoch, zeigt so viele verschiedene Manöver und landet seine
Doppel-Loops so sicher wie der zweimalige Weltmeister. Zudem ist der 19-Jährige
ein ausgesprochener Wettkampf-Typ, nervenstark und mittlerweile auch taktisch
sehr clever. Fachleute und Konkurrenten sind sich einig: Philip Köster zeigt Wellenreiten
von einem anderen Stern und hat das Waveriding auf ein neues unglaubliches
Level gehoben.

Aufgewachsen ist das Windsurf-Wunderkind in Vargas auf Gran Canaria. Kösters
Eltern Linda und Rolf zogen 1980 von Hamburg auf die kanarische Insel und eröffneten
hier eine Surfschule. Philip, dessen Sternzeichen „Fisch“ ist, fühlte sich
schon immer zum Wasser hingezogen. Mit sechs Jahren begann er zu schwimmen
und wurde kanarischer Meister über 50 Meter Freistil. Als Achtjähriger stand er das
erste Mal auf einem Surfboard und machte in kürzester Zeit riesige Fortschritte.

Das Meer ist nur knapp hundert Meter vom Wohnhaus der Kösters enfernt, jeden
Tag verbrachte der Sohn Stunden auf dem Wasser. Mit elf Jahren gelang ihm sein
erster Loop, danach gewann er die kanarische Meisterschaft im Waveriding. Als
Zwölfjähriger nahm er mit einer Wildcard an seinem ersten PWA World Cup teil, mit
13 Jahren stand er den doppelten Salto. Es folgten zahlreiche weitere Titel sowie
nationale und internationale Auszeichnungen – und die Leistungskurve von Philip
Köster ging immer noch steil nach oben. Ohne Trainer übte er wie besessen neue
Moves und Sprünge, schaute sich Tricks auf DVDs und Videos ab und probierte sie
bis zu sieben Stunden lang täglich im Meer aus.

2009 folgte dann endgültig der internationale Durchbruch von einem Super-Talent
zu einem absoluten Siegfahrer. Philip Köster feierte auf Pozo seinen ersten World-
Cup-Sieg und beendete das darauf folgende Jahr bereits als Dritter der Weltrangliste.
Seit 2011 gewann er auf der PWA Weltserie alle World Cups bis auf einen
– da belegte er „nur“ Platz zwei. Nach Surf-Legende Robby Naish wurde er mit 17
Jahren zweitjüngster Windsurf-Weltmeister und verteidigte den Titel im vergangenen
Jahr souverän. Auch in dieser Saison liegt Philip Köster auf WM-Kurs und peilt
den Hattrick an. Wer soll den Überflieger stoppen, wohin soll es noch gehen – das
weiß nur Philip Köster selber.

Du bist mit 19 Jahren schon zweimaliger Weltmeister, scheinst aber
immer noch besser zu werden. Wie machst Du das?

Ich habe heute noch genau soviel Spaß am Windsurfen wie früher und trainiere
immer noch mit der gleichen Leidenschaft. Ich kann noch so viele neue Tricks und
Sprünge lernen oder kreieren, es existieren so viele schöne und aufregende Spots,
die ich noch nie gesehen habe. Es gibt noch so viel zu entdecken.

Wenn man überhaupt von Defiziten sprechen kann, gab es sie bei Dir
zu Beginn im taktischen Bereich. Aber auch da gehörst Du mittlerweile
zu den Abgezocktesten.

Ich wollte in einigen Wettkämpfen gleich am Anfang meine besten Sprünge und
Tricks raushauen, obwohl die Bedingungen dafür gar nicht geeignet waren. So bin
ich vor Jahren beim World Cup auf Sylt etwas kopflos gesurft und gleich ausgeschieden.
Aber das war mir eine Lehre. Heute warte ich ab und bin viel geduldiger,
was nicht heißt, dass ich nicht manchmal auch noch was Verrücktes mache.

Verrückt wäre ja der Triple Loop, den Du noch springen willst und im
Training beinahe schon gestanden hast?

Ich war tatsächlich im Training knapp dran, aber es muss einfach alles passen, die
Wellen, der Wind und natürlich auch meine Tagesform. So einen Triple Loop springt
man nicht einfach so, bisher hat ihn ja auch noch kein Mensch im Wettkampf gestanden.

Du warst schon immer ein unglaublicher Springer. Mittlerweile sieht
man von Dir auch atemberaubende Wellenritte mit spektakulären
Tricks.

Ich versuche immer, neue Dinge einzustudieren und zu entwickeln. Auch wenn sie
am Anfang nicht klappen, irgendwann habe ich sie drauf und kann sie im Wettkampf
zeigen. Wichtig ist es, die richtige Welle zu erwischen und du darfst niemals gegen
sie ankämpfen, sondern musst mit ihnen spielen. Dann spielen sie auch mit.

Du bist auf Sylt 2011 Weltmeister geworden, hast hier im letzten Jahr
gewonnen und Deinen Titel verteidigt. Diesmal wird beim 30. Geburtstag
des GP Joule Windsurf World Cup der Hype um Deine Person
wieder sehr groß sein.

Ich werde meinen ersten WM-Titel nie vergessen, vor allem den Moment nicht, als
mir am Brandenburger Strand vor Tausenden von Zuschauern der Pokal übergeben
wurde. Ich habe immer gesagt, dass ich Weltmeister werden will und plötzlich
ist der Traum wahr geworden. Damit wurde natürlich auch der Rummel um meine
Person viel größer.

Und das macht Dir manchmal zu schaffen.

Ohne Wasser bin ich irgendwie nur ein halber Mensch und wenn ich nicht aufs Meer
kann, sondern den ganzen Tag gefragt und herumgereicht werde, ist das manchmal
schon schwer. Aber mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt und kann ganz gut
mit dem Rummel umgehen. Außerdem ist das nur auf Sylt so, bei anderen World
Cups ist das für mich wesentlich entspannter.

Kennt Dich da keiner?

Natürlich, aber dort gibt es viel weniger Medien und Besucher. Sylt ist mit Abstand
das größte Windsurf-Event der Welt mit den meisten Zuschauern und der größten
Medienpräsenz. Und als deutscher Weltmeister stehst du da natürlich immer im
Mittelpunkt.

Was wünscht Du Dir auf Sylt?

Ich will dort meinen WM-Hattrick feiern und hoffe auf viel Wind, damit ich lange auf
dem Wasser sein kann.