Das Buch des Sylter Immobilienmaklers Eric Weißmann Aber bitte mit Reet

Zum Beginn der Sommerferien auf die Insel zu kommen, erscheint abenteuerlich und zeitraubend. In Niebüll an der Autoverladung staut sich der Verkehr und die Personenzüge sind ausgebucht. Die Insel erscheint in dieser Zeit übervoll. Ein einsames Plätzchen zu finden ist schwierig. Und doch gibt es auf der Insel Orte, an denen man für sich ist. Um Aufzutanken, oder die Natur in ihrer Ursprünglichkeit zu genießen oder den eigenen Gedanken nachzuhängen. Auf Justsylt werden wir ein paar dieser idyllischen Plätze vorstellen.

 

List – gruselig schöne Traumlandschaften

Zum Beginn der Sommerferien auf die Insel zu kommen erscheint abenteuerlich und zeitraubend. In Niebüll an der Autoverladung staut sich der Verkehr und die Personenzüge sind ausgebucht. Die Insel erscheint in dieser Zeit übervoll. Ein einsames Plätzchen zu finden ist schwierig. Und doch gibt es Orte auf der Insel, an denen man für sich ist. Um Aufzutanken, oder die Natur in ihrer Ursprünglichkeit zu genießen. Auf Justsylt werden wir ein paar dieser idyllischen Plätze vorstellen.

Es scheint eine Ewigkeit her zu sein. Vielleicht war es auch ein anderes Leben. Ganz sicher sind die diese Zeiten aber vorbei. Es muß in den 70ern gewesen sein, dass meine Eltern mich warm einpackten und wir gemeinsam auf den Ellenbogen nach List gefahren sind. Den ganzen Vormittag liefen wir am Rande des Königshafens im trüben Novemberlicht herum und sammelten Miesmuscheln. Diese wanderten in die Badewanne und wurden gesäubert. Es gab drei doer vier Tage Muscheln in verschiedenster Form. Ich glaube, es war nicht der Gourmet in meinen Eltern. Es war eine Zeit der Sparsamkeit. Eine andere Zeit eben. Eine Zeit, in der eine große Firma für Sicherungen der größte Arbeitgeber der Insel war und nicht der Tourismus.

Damals existierte noch keine Maut, wen man den nördlichsten Zipfel der Insel betreten wollte. Wohl aber gab es Zeiten an denen es Sylter und auch den damals schon reichlich vorhandenen Kurgästen (das Wort Tourist gab es so gar nicht, oder es wurde nicht benutzt) verboten war, den Ellenbogen zu betreten. Der Grund waren Tiefflügmanöver der Luftwaffe, die mit ihren Düsenjets aus Leck kommend, über den Ellenbogen röhrten, um dann auf die in den Dünen stehenden Ziele zu feuern. Mit Übungsmunition selbstverständlich. Heute unvorstellbar, damals ein Riesenspaß. Denn heimlich schlichen wir uns in die Dünen, um diese ungefährlichen Munitionsreste aufzusammeln.

Trotz der hohen Anzahl an Gästen ist der Ellenbogen heutzutage relativ leer. Was auch an den recht teueren Gebühren liegt, die man zahlen muss, um dann mit dem Auto zur Nordostspitze zu schleichen. Ab und an versperrt ein laut schimpfendes Schaf den Weg. Diese haben immer Vorfahrt auf der Insel und sind der Grund, warum oberhalb der Gabelung List Hafen/Ellenbogen, Tempo 30 nicht nur durch Schilder vorgeschrieben ist, sondern eigentlich auch durch den gesunden Menschenverstand.

Was aber die „Lost Places“ betrifft, so steht der Ellenbogen selbst nicht zur Disposition. Diese befinden sich hinter der Gabelung hinter „Listland“ zum Ellenbogen hin. Die alte Panzerstraße verlangt der Federung des Autos alles ab. Sylt war seit Beginn des 20. Jahrhunderts auch immer wieder vom Militar genutzt. Und klar – um eventuell einfallende Dänen abzuhalten brauchte der Gröfaz auch auf Sylt seine Autobahn. Teilweise sind so tiefe Löcher in der Fahrbahn, dass man das Gefühl nicht los wird, der fahrbare Untersatz zerlegt sich in seine Bestandteile.

Die Reise in die Vergangenheit ist eine Verbotene. Bleibt man in der Mitte der Panzerstraße stehen, schaltet den Motor ab – dann ist da Nichts. Kein Geräusch, das von Menschen gemacht ist. In den Abendstunden oder nachts ist dies recht eindrucksvoll. In der Heidelandschaft finden sich Bunkerreste und in der Ferne die Wanderdüne mit ihrer wunderschönen Flanke. Apropos Flanke. In den frühen achtziger Jahren ist der Gott der Bananenflanke Manfred Kaltz vom HSV diese in der trainingsfreien Zeit hochgesprintet. Zusammen mit seinem Nationalmahnnschaftskollegen und kommenden Super Karl-Heinz Rummenigge. Was glaubt ihr, wo dieser die gewaltigen Oberschenkel her hatte, die englische Popproduzenten zum Song „Rummenige, Rummenigge what a man“ inspirierten? Das Betreten war damals noch nicht verboten. Und für Promis galten ohnehin andere Gesetze. Heutzutage kaum auszudenken. 

Deshalb solltet ihr auch nicht in der Heidelandschaft herumwandern. Doch Nachts dem Wind lauschen und dabei an Theodor Storms „Schimmelreiter“ denken, wird so manchen mit Gänsehaut überzogen verharren lassen..
 

„Ich höre des gärenden Schlammes / Geheimnisvollen Ton, / Einsames Vogelrufen – / So war es immer schon.“ (Meeresstrand – Gedicht von Theodor Storm)

Denn hört man genau hinein in die Dunkelheit, die dort vollkommen ist, dann dringt das Schreien einer Frau nach ihrem Kind ins überforderte Unterbewußtsein. Der Wind läßt einen an sich und seiner Wahrnehmung zweifen und unwillkürlich den Rückzug ins Auto antreten. Viele denen ich den Tip gegeben habe, sich des Nächtens dort hinzustellen und diesem Naturspektakel zuzuhören, zahlen immer noch das Ticket für zu schnelles Fahren. Nur weg aus dem der eigenen Phantasie entsprungenen Horrorszenarios. Laut Theodor Storm hört man diese Stimme in der Nacht. Versucht es einfach mal. Das Heulen des Windes wird euch überzeugen. Diese wäre so ein Lost Place. Nichts für den Massentourismus, eher ein Ausblick in die eigene Seele.