Das Buch des Sylter Immobilienmaklers Eric Weißmann Aber bitte mit Reet

Der Wetterdienst meldete ein Hoch über der Nordsee, warme Meeresluft strömte nach Sylt und auf der Insel begann zu Ostern 1913 die 1. Saison des Jahres. Schon damals war Sylt ein beliebter Urlaubsort und lockte viele Gäste aus ganz Deutschland an. Auch die Sylter Dampfspurbahn musste zusätzliche Züge einsetzen, um den Ansturm an Gästen gerecht werden zu können. Schon damals galt das Motto: “Sehen und Gesehenwerden” und so flanierte man auf der Westerländer Kurpromenade, traf sich in der Lesehalle oder in einer der zahlreichen Milchbars. Die Lichtspiele in der Strandstrasse lockten mit dem Klassiker “Blinde Liebe” und im Hotel Union konnte man für 20 Pfg. junge Inselsportler beim öffentlichen Schauturnen bewundern.

Der Besuchermagnet zu Ostern 1913 war jedoch die Friesenhalle in Keitum. Neben einem “Unterhaltungs-Konzert” mit dem Westerländer Musikverein unter der Leitung von Max Thomas, lockte die Friesenhalle mit einer inseleigenen Köstlichkeit: “Der Friesenkuchen” auch Peepernööten genannt, wurde in Keitum erfunden und fand von dort aus Abnehmer in der ganzen Welt. Mit der steigenden Zahl an Touristen wurden ein paar Jahre später die Stallungen zu einem grossen Saal umgebaut. Über lange Zeit diente die Friesenhalle vielen Syltern Vereinen als Tagungslokal. Einheimische, ehemalige Kapitäne trafen sich jeden Sonntag zum Skatspiel.

Mit der Kutsche kamen die Gäste vorwiegend aus Wenningstedt, Kampen und Westerland. Rund 150 Mittagessen wurden täglich serviert, viele Konzerte und Tanzveranstaltungen machten die Friesenhalle zum “In-Treffpunkt” der Insel. Ostern 1913 stand bereits im Schatten der absehbaren Kriegswirren Deutschlands. Mit Beginn des Krieges wurde aus dem Anwesen ein Lazarett, ebenso im 2. Weltkrieg. Bis in die 1920er Jahre leitete Max Draht die Friesenhalle und führte sie in eine zweite Blütezeit, die mit der Weltwirtschaftskrise jedoch endete. 1951 wurden Haus und Grundstück an die AWO verkauft und erbaute darauf das “Louise-Schroeder-Haus”.

 

Fotos: Sylter Archiv, Alfred Block