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Tour mit E-Bike

Es gibt nichts Besseres, als die Insel mit dem Rad zu entdecken. Nach einem kurzen Wetter-Check (im Regen macht das Ganze natürlich relativ wenig Spaß) entscheide ich mich deshalb für einen kleinen Ausflug in den Sylter Osten. Es ist ziemlich wolkig, aber mild und nur mäßig windig – perfekt. Die Tour habe ich im letzten Sommer bei strahlendem Sonnenschein mit meinem alten Hollandrad schon einmal gemacht, was wirklich toll und gut machbar war. Heute ist das Wetter allerdings unbeständiger. Vielleicht wird es doch noch stürmischer? Ich werde mir ein E-Bike mieten. Welch wunderbare Ausrede für meine Faulheit.

Gute E-Bikes lassen sich auf Sylt an jeder Ecke mieten. Da ich sowieso keine Ahnung von der Technik habe, probiere ich aus rein optischen Gründen eins der stylischen Modelle von EBIKE Sturmflotte aus. Schon der Laden sieht cool aus und mein Rad für heute ist echt schön. Gut gelaunt mache ich mich auf den Weg.

Radeln Richtung Watt

Ich starte in Westerland via Lorens-de-Hahn-Straße in Richtung Tinnumer Wiesen (2. Straße links nach DB-Shuttle links abbiegen in “Am Seedeich”, dort vor dem Tennisclub rechts in den Franz-Korwan-Weg und an dessen Ende links in den Strandweg… ab dort ist Morsum ausgeschildert). Von dort peile ich grob den bereits sichtbaren Deich des Rantumbeckens an. Man kann sich eigentlich nicht verfahren, und wenn, dann macht man eben eine leicht abweichende Tour – verloren geht man sicher nicht. Denn die Wiesen sind wunderbar plattes Land, mit Pferden und Kühen und dem Sylter Tierpark (auch der lohnt mal einen Besuch, vor allem mit Kindern) mit Sicht in alle Richtungen.

Am Deich angekommen, schiebe ich mich und mein Rad durch das Eisengitter, das die vielen Schafe auf dem Deich vor dem Weglaufen hindern soll. Nun geht es links weiter, immer am Watt entlang bis Morsum. Heute sind recht viele Radler unterwegs, aber es gibt genug Platz für alle. Da gerade Ebbe ist, sieht man auch die ein oder andere Wandergruppe in bunten Gummijacken durchs Watt stapfen. Auch mal eine Idee, habe ich noch nicht gemacht bisher. Es duftet nach Meer … und Schaf. Ich liebe das. Und freue mich, wenn die Tiere mir blökend immer mal wieder den Weg versperren. Ruhig ist es hier, entspannend. Mein Sturmvogel (so heißt mein Rad) fährt übrigens prächtig, dabei habe ich bisher die E-Unterstützung noch gar nicht angeschaltet und strampele ausschließlich selbst. Es gleitet ganz locker mit seinen dicken Reifen über den Asphalt. Ich gebe zu, es ist nach wie vor nur mäßiger Wind und der kommt auch noch von hinten. Irgendwann taucht auf der linken Seite ein kleiner feiner Rastplatz mit Strandkörben und Tischen und bestem Blick aufs Wattenmeer auf – für mich einer der schönsten Pausenplätze der Insel. Leider ist heute zu viel Betrieb, ich fahre also ohne Stopp weiter.

Vom Morsumer Kliff nach Keitum

Am Morsumer Golfclub endet der Radweg am Watt und führt mich landeinwärts. Mein Ziel ist das Morsumer Kliff. Dort könnte ich einen kleinen Snack im Landhaus Severins zu mir nehmen und einen kleinen Spaziergang am wunderschönen Kliff einschieben. Der Weg dorthin ist nicht mehr ganz so flach und vor allem habe ich den Wind nicht mehr im Rücken. Wie gut, dass ich auf einem E-Bike sitze! Schon die Unterstützung auf geringstem Level lässt mich völlig relaxt an meinem Zwischenziel ankommen. Schnell das Bike geparkt und ab zur Mittagspause. Hm, sieht trotz des wolkigen Wetters ungewöhnlich leer aus, die Terrasse. Mist – es ist Mittwoch. Ruhetag. Das sollte man im Idealfall vorher checken, ich Dussel. Einen Mini-Spaziergang mache ich trotzdem, dann zieht mich der Hunger weiter.

Auf geht’s nach Keitum, mit sanfter Unterstützung durch mein Rad. Nötig wäre das ehrlich gesagt nicht, aber weil es leichten Gegenwind gibt und ich hungrig bin, freue ich mich darüber. Der Weg ist ausgeschildert und führt durch landwirtschaftliche Felder nahe der anderen Wattseite bis ins schöne Dorf Keitum. Ich komme direkt an der traumhaft gelegenen Hünengrab-Anlage Harhoog vorbei. Wer diese noch nicht besichtigt hat, sollte hier unbedingt einen kurzen Stopp einlegen. Auch sonst lohnt sich ein Bummel durch den Ort, sei es, um die hübschen Häuschen anzugucken oder ein bisschen über die Geschichte Keitums im Sylter Heimatmuseum (Am Kliff 19) oder im Altfriesischen Haus (Am Kliff 13) kennenzulernen. Mich zieht es allerdings erstmal in Nielsens Kaffeegarten, wo ich tatsächlich einen Platz auf der Terrasse ergattere und mich mit einem Milchreis stärke.

Via Munkmarsch und Braderup nach Kampen

Auf dem Weg Richtung Munkmarsch (einfach immer so nah wie möglich am Watt entlang weiterfahren) passiere ich zunächst St. Severin, die für mich schönste Kirche der Insel. Auch der zugehörige Friedhof hat etwas ganz Besonderes und lohnt sich zu besichtigen. Heute fehlt mir dazu allerdings die Ruhe und ich radle munter weiter. Munter deshalb, weil ich mein Bike wegen der Hügel auf das nächste Level geschaltet habe und mich fühle wie ein Supersportler, der lässig jeden Berg erklimmt. Ich mag die Strecke, auch wenn sie nun neben der Hauptstraße verläuft. Durch das Auf und Ab ergibt sich immer wieder ein fantastischer Blick über die Felder, aufs Wattenmeer, auf die Lügenbrücke (Fußweg am Watt zwischen Keitum und Munkmarsch) und später auf die (dieses Jahr wegen der Trockenheit nicht ganz so blühende) Braderuper Heide. Am Fährhaus Sylt halte ich kurz an, einfach weil es hier so hübsch ist. Auch in Braderup lege ich spontan einen Zwischenstopp am Körnerladen ein. Viel zu selten komme ich hier vorbei, was sehr schade ist. Im nördlichsten Naturkostladen Deutschlands gibt es nämlich unter anderem superleckeres Bio-Brot, man kann es sich aber auch mit einer Tasse Kaffee und einem Kuchen im Strandkorb auf dem Hof gemütlich machen.

Von Braderup bis Kampen ist es nicht mehr weit. Dort will ich eigentlich Richtung Westküste fahren und dann via Wenningstedt an den Dünen entlang zurück nach Westerland, um den Rundweg komplett zu machen. Irgendwie ist es mir auf der Strecke heute aber zu voll – und weil ich dank E-Bike noch ausreichend Kraftreserven habe (das Bike übrigens auch, es ist noch nicht mal einer der vier oder fünf  Balken der Akku-Anzeige verbraucht), beschließe ich, den selben Weg wieder nach Keitum zurückzuradeln. Um quasi die Perspektive zu wechseln. Gesagt, getan.

Stürmischer Rückweg

Unterdessen ist der Himmel arg grau geworden und der Wind nimmt zu. Das ist ein bisschen schade für die Aussicht und ich überlege, die zwischen Braderup und Munkmarsch ausgeschilderte Abkürzung nach Westerland zu nehmen. Letztlich macht das leicht motorisierte Radfahren aber so viel Spaß, dass ich den Plan verwerfe. In Keitum am Kreisel angekommen, halte ich mich links und fahre durch den Ort Richtung Bahnhof. Jetzt wäre nochmal eine gute Gelegenheit zum Zwischenstopp: bei Brot und Bier direkt am Kreisel findet gerade ein Outdoor-Event mit cooler DJ-Musik statt. Jetzt nochmal eine leckere Stulle? Nö, draußen ist es dann doch nicht so richtig gemütlich zum Verweilen, da fahr ich lieber noch einen kleinen Umweg. Ich möchte zum Abschluss nämlich gerne wieder über die Tinnumer Wiesen, weil es dort so schön ruhig ist. Direkt hinter dem Bahnhof rechts ist eine Unterführung, um bequem auf die andere Seite der Gleise zu kommen. Die nehme ich und kreuze dann die Hauptstraße (Keitum-Archsum) und fahre geradeaus weiter in die Wiesen, rechts vorbei am Gänsehof.

Es ist so stürmisch hier, dass mein “Sturmvogel” endlich mal voll aufdrehen darf. Höchstes Level, gerade Straßen und keine Menschenseele weit und breit. Herrlich! Freundlich winke ich den Kühen zu, denen das ziemlich egal ist. Wunderbar entspannt brause ich den Schildern nach gen Tinnum/Westerland, wie heute morgen vorbei am Tierpark. Schließlich gibt es einen Abzweig nach Westerland Süd, der mich wieder an meinen Ausgangspunkt bringt. Ich passiere noch die Tinnumburg (keine Burg, eher ein Hügel – hier findet im Februar das Tinnumer Biikebrennen statt) und fahre dann rechts (Achtung, Schilder sind versteckt hinter Gebüsch – wer es verpasst, fährt einfach geradeaus weiter bis zur Hauptstraße, die rechts ebenso direkt nach Westerland führt) bis zum Tennisclub, dort links bis zur Hauptstraße und schließlich wieder rechts bis in die Westerländer Innenstadt. Geschafft. Glücklich, gut durchgepustet und durchaus ein bisschen erschöpft (schließlich habe ich mein schönes Bike immer mal wieder auch nur mit eigener Körperkraft bewegt).

Tipps zur Tour

Ich habe für die gesamte Strecke insgesamt 5 Stunden gebraucht, vor allem aufgrund meiner vielen Pausen. Am sinnvollsten ist es, man nimmt sich dafür einen Tag Zeit, dann hat man morgens und abends keinen Stress und genug Muße für Rast, Besichtigungen und Staunen. Alles ist gut ausgeschildert und die Strecke lässt sich gut an persönliche Vorlieben anpassen. Mehr Zeit am Watt? Dann lässt man die Strecke nach Kampen einfach weg und fährt via Keitum direkt nach Westerland zurück. Einkehren zu Kaffee und Kuchen kann man in Keitum zum Beispiel auch sehr gut (vor allem ist es hier oft nicht so voll, weil es ein bisschen versteckt ist) im Kamps. Die Strecke bietet insgesamt tolle ländliche Natur, ruhige Dörfer und traumhafte Aussichten aufs Wattenmeer. Wo man ankommt ist letztlich egal, alle Wege führen irgendwo hin, wo es schön ist.

Ob E-Bike oder nicht, kommt auf die persönlichen Vorlieben an. Die Tour ist auch sehr gut für halbwegs fitte Menschen mit einem normalen Rad zu schaffen. Ich gebe allerdings zu, dass mir mein Sturmvogel durchaus ans Herz gewachsen ist. Es beruhigt zu wissen, dass man die Tour jederzeit erweitern kann und dass man Strecken einfach mal ausprobieren kann, ohne Erschöpfungszustände zu befürchten. Auch meine Freude über den Gegenwind, der mir durch die Haare pustete, hätte sich ohne E-Bike sehr in Grenzen gehalten.

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