Die Gemeinde Sylt lädt ein zu einer Ausstellung zum 60. Geburtstag von Ingo Kühl in der Stadtgalerie „Alte Post“. Diese Rückschau auf das malerische Werk von Ingo Kühl zeigt Bilder aus allen Schaffensphasen des in Berlin und seit 2002 auf Sylt lebenden freischaffenden Künstlers.

Geboren 1953 in Bovenau bei Kiel, studierte Ingo Kühl zunächst an der Fachhochschule Kiel Architektur, bevor er sich in seinem Zweitstudium an der Hochschule der Künste Berlin der Malerei zuwandte. 1979 entstand das erste Ölbild, das er „Fruchtbares Chaos“ nannte. In der Folge hat er, in Berlin und immer mit einem Atelier an der Nordsee, mehr als 1500 Ölbilder gemalt, dazu unzählige Zeichnungen, Aquarelle und Grafiken, die zunächst menschliche Figuren und Dinge aus der sichtbaren Realität darstellten , dann, vom Surrealismus beeinflusst, entstanden seine „Architektur- Phantasien“, imaginäre, vegetative Architekturen, die später zu Skulpturen wurden und irgendwann gebaut werden sollen. In der Malerei, die sich aus abstrakt-expressionistischen Anfängen zu fast monochromen „Farbräumen“ entwickelte, herrscht seit den frühen 1980-er Jahren die Landschaftsmalerei vor, Seebilder und Küstenlandschaften, geprägt durch das Erleben der Natur am Meer.

Heinz Spielmann, ehemaliger Direktor des Schleswig-Holsteinischen Landesmuseums, schreibt in der 2007 erschienenen Monografie „Ingo Kühl – Auf dem Weg ins Unbekannte“ in seinem umfassenden Beitrag „Form des Ungeformten – zu Bildern von Ingo Kühl“:

„Ingo Kühl malt nicht wie ein Künstler des Impressionismus, des Expressionismus oder des Informel, aber er malt wie jemand, der deren Prinzipien kennt, ohne ihnen selbst zu folgen. Ein Zeitgenosse Ingo Kühls, der Maler Klaus Fußmann, der manchen kritischen Blick auf die Moderne geworfen hat, forderte unbeschadet seiner Kritik und unbeschadet der Distanz zu manchem Beispiel moderner Kunst, dass eine gegenwärtige und zukünftige Kunst nicht gegen die Moderne, sondern nur unter deren Voraussetzung entstehen könne. Ingo Kühls Bilder gehören zu denjenigen, die dieser Forderung entsprechen. Sie sind ohne die Prämisse des Informel nicht denkbar, aber sie geben sich nicht mit deren Offenheit gegenüber einem unverbindlichen Darstellungsmodus zufrieden, sie geben sich konkreter, sie ermöglichen die Identifikation von Bild und Abbild. Wer genau hinschaut, erkennt an Farbe, Raum und Licht, welche Region in einem Bild zu sehen ist. Es treibt den Maler um, in den Nuancen, durch die sich die Regionen voneinander unterscheiden, ein Merkmal von Ländern und Kontinenten zu finden. In der Formlosigkeit steckt für ihn eine ihn auf das Freieste stimulierende Sicherheit des Sehens.

Und 2009 schreibt Heinz Spielmann in seinem Essay „Bestimmung des Unbestimmten – Reminiszenzen zu Wolken und Wellen in den Bildern von Ingo Kühl“ im Heft „Ars Boreals 21 – Ingo Kühl – Sylt“:

„Die Verwandlung von Strukturen, Farben und Licht in ein Abbild der sichtbaren Welt kann mit nichts so überzeugend gelingen wie mit Wogen und Gischt, Wolken und Dunst. Ingo Kühl hat die Probe aufs Exempel hierfür an Nord- und Südsee, an Pazifik und Atlantik gemacht, an den Grenzen der Polarkreise auf beiden Erdhälften, stets das Gleiche beobachtend und das Unterscheidende findend. Man sieht auf Leinwänden und Blättern, in den Skizzenbüchern die kurzen Schläge der Nordsee und die Dünung des Pazifiks, spürt die Kälte des nordischen und die Wärme des subtropischen Lichts. Es handelt sich um Landschaftsportraits aus größter Nähe, in deren Einzelheiten das Ganze sichtbar wird. Keine dieser Meereslandschaften hat den Künstler so intensiv und lange beschäftigt wie die Insel Sylt, sein Lebensraum, den er umso intensiver erlebt, als er im Kontrast zu ihm längere Zeit auch in Berlin lebt. Er hält es damit ähnlich wie Emil Nolde oder Klaus Fußmann, bewahrt sich auf diese Weise den Sinn für Authentizität und Eigenart einer elementaren Natur.“

Reisen, auf denen er immer auch zeichnete und malte, führten Ingo Kühl in zahlreiche Länder, u. a. Dänemark, Frankreich, England, die Niederlande, Italien, Portugal, Spanien, Skandinavien, in die Schweiz und ins Baltikum, in den Iran, nach Israel, und nach Übersee, New York, Thailand, Laos, Kambodscha, Australien, Neuseeland, Peru, Island, auf die Azoren, die Färöer und Lofoten. Ein Jahr lang lebte er mit seiner Frau Annette in der Südsee auf den Cook-Inseln, in Französisch Polynesien, Fidschi und Vanuatu. Seine letzten Reisen gingen nach Patagonien und Feuerland, wo er „am Ende der Welt“ an Bord einer zwölf Meter langen Yacht das Kap Hoorn umrundete – und nach Papua-Neuguinea, wo er mit dem einheimischen Bildhauer Tomulopa Deko zusammen arbeitete, der ihn anschließend für sechs Wochen nach Sylt begleitete. Seinen 60. Geburtstag hat Ingo Kühl in Istanbul verbracht. Einzelausstellungen seiner Werke fanden statt u.a. im Nordfriesischen Museum, Nissenhaus, Husum 1988, Nationalmuseum der Republik Vanuatu, Port Vila, Südpazifik 2002, im Ethnologischen Museum, Staatliche Museen zu Berlin 2004-2005, Museum der Stadt Bad Hersfeld2005, in der Sparkassenstiftung Schleswig-Holstein, Kiel 2009, Botschaft der Republik Chile, Berlin 2013.

Ausstellungsbeteiligungen u.a. im Schleswig-Holsteinischen Landesmuseum, Schleswig 1988, Wilhelm-Hack-Museum, Ludwigshafen (Villa Massimo Auswahl) 1991, Galerie Michael Schultz, Berlin (1998), Kunsthaus Müllers, Rendsburg seit 2010, KunstHalle der Deutschen Bank, Berlin 2013.

Die Vernissage zur Ausstellung „RETROSPEKTIVE – 35 Jahre Malerei von Ingo Kühl“ findet am Mittwoch, dem 12. Februar 2014 um 18 Uhr in der Stadtgalerie „Alte Post“ statt. Die Begrüßung übernimmt Frau Bürgermeisterin Petra Reiber. Annette und Ingo Kühl sind anwesend.

Die Ausstellung läuft vom 13. – 28. Februar 2014 in der Stadtgalerie „Alte Post“. – Parallel zur Ausstellung in der Stadtgalerie öffnet Ingo Kühl sein Atelier in Keitum.

Öffnungszeiten der Stadtgalerie „Alte Post“, Stephanstraße 4 in Westerland
Mo. – Fr. von 15 – 18 Uhr, Sa. 10 – 13 Uhr.

Öffnungszeiten des „Atelier Ingo Kühl“, Keitumer Süderstraße 42 in Keitum
Mo. – Fr. von 11 – 15 Uhr und nach Anfrage unter 04651/8892070 oder 0174/3761422.

SONDERVERANSTALTUNG

Am Petritag, dem 22. Februar 2014, findet um 17 Uhr eine Performance von Ingrid Lucia Ernst und Rainer W. Ernst aus Berlin unter dem Titel „’Meereslust’ im Werk von Ingo Kühl“ in der Stadtgalerie „Alte Post“ statt.