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Wohnraumkonzepte der Insel und der Gemeinde Sylt. Aufgestellt am 04. September 2013, von Wolfgang Knuth – Inselbaumeister

Die öffentliche Debatte und hierbei insbesondere die kontroverse Diskussion über die „Wendt-Wiese in Morsum“ zeigt, dass zwei Themen miteinander vermischt werden nämlichdie Arbeit am Insularen Wohnraumentwicklungskonzept, das zurzeit unter der Federführung des Inselbauamtes im Auftrag der Inselgemeinden erstellt wird, und die durch den Wohnungsbauausschuss der Gemeinde Sylt beauftragte Arbeit an dem KLM-Realisierungsprogramm 500 +, das zum Ziel hat, im Gebiet der Gemeinde Sylt bis 2018 500 neue Wohnungen zu schaffen.

Mit dem seitens des IfS – Institut für Stadtforschung und Strukturpolitik GmbH, Berlin erarbeiteten Wohnungsmarktkonzept für die Insel Sylt (WMK) und der vom Inselbauamt erstellten Ausarbeitung über die Ermittlung neuer Potenzialflächen für Wohnungsneubau hat das Inselbauamt den zu beteiligenden Institutionen bei Kreis und Land mit Schreiben vom 09.08.2013 zwei wesentliche Bausteine des Wohnraumentwicklungskonzeptes zur Abstimmung vorgelegt.

Kurz zusammengefasst hat das Wohnungsmarktkonzept für die Insel Sylt (WMK), differenziert nach Orten und Ortsteilen ermittelt, wie viele Dauerwohnungen für welche Zielgruppen benötigt werden. Die auf den ersten Blick sehr hoch erscheinende Zahl von 2.850 insular zusätzlich benötigten Dauerwohnungen relativiert sich sehr schnell angesichts der Tatsache, dass damit lediglich das Ziel erreicht würde, im Wesentlichen nur den Status Quo des bereits heute als sehr angespannt wahrnehmbaren Sylter Wohnungsmarktes zu halten und dem demografischen Wandel entgegen zu treten.

Der Baustein „Ermittlung neuer Potenzialflächen für Wohnungsneubau“ zeigt auf, wie dieser Bedarf örtlich bzw. insular umgesetzt werden kann. Die Prüfung von ca. 175 insularen Untersuchungsflächen auf ihre Eignung von Wohnungsbau erfolgte nach insular einheitlichen, ortsplanerischen Kriterien. Auf diese Weise wird die Gleichbehandlung der Inselgemeinden untereinander und die der privaten Antragsteller gewährleistet und sichergestellt, dass der zu Recht besonders kritisch begleiteten Thematik der Bereitstellung neuer Bauflächen auf Sylt, ein transparenter, von fachlichen Erwägungen getragener Planungsprozess vorausgeht.

Wegen der Komplexität des zunächst insular und danach mit Kreis und Land vorzunehmenden Abstimmungsprozesses bezüglich des Wohnraumentwicklungskonzeptes hat sich der Wohnungsbauausschuss der Gemeinde Sylt in seiner Sitzung vom 4. März 2013 auf einen entsprechenden Antrag der SPD-Fraktion hin entschlossen, den Prozess des Neubaus von Wohnungen in der Gemeinde Sylt zu beschleunigen. Zu diesem Zweck wurde das KLM-Realisierungsprogramm 500 + aufgelegt, das das Ziel verfolgt, bis 2018 500 neue Dauerwohnungen im Gebiet der Gemeinde Sylt zu schaffen. Aufgrund der engen zeitlichen Vorgabe führt der vom Kommunalen Liegenschaftsmanagement (KLM) und dem Inselbauamt ausgearbeitete Vorschlag zwangsläufig nahezu ausschließlich Flächen auf, die sich sowohl im gemeindlichen Besitz als auch im so genannten Innenbereich, d.h. in Ortslagen befinden, wo ein grundsätzlicher Bauanspruch besteht.

Sowohl der Arbeitskreis Wohnungsbau 500 + (Sitzung vom 19.8.2013) als auch der Wohnungsbauausschuss (Sitzung vom 26.8.2013) haben dem seitens der Verwaltung ausgearbeiteten Vorschlag mit großer Mehrheit zugestimmt und der Gemeindevertretung zur Beschlussfassung empfohlen.

Die Empfehlungsbeschlüsse des Arbeitskreises Wohnraum 500 + bzw. des Wohnungsbauausschusses bedeuten im Umkehrschluss aber nicht, dass die Arbeit an allen anderen Flächen bis 2018 ruht. Richtig ist vielmehr, dass sich die Gremien der Gemeinde Sylt nach Vorliegen eines Abstimmungsergebnisses mit Kreis und Land auch mit den Flächen befassen werden, die vom heute vorgelegten KLM-Realisierungsprogramm 500 +noch nicht erfasst sind.

In der öffentlichen Debatte bzw. Veröffentlichungen in der örtlichen Presse konnten Unbeteiligte den Eindruck gewinnen, dass es den Gremien der Gemeinde Sylt durch entsprechende Beschlussfassung möglich wäre, die so genannte „Wendt-Wiese“ in Morsum als vorgezogenes Einzelprojekt zu behandeln und einer kurzfristigen Wohnbebauung zuzuführen.

Diese Option hat jedoch zu keinem Zeitpunkt bestanden, da die Erschließung von Außenbereichsflächen nicht der gemeindlichen Planungshoheit unterliegt, sondern eine Änderung des Regionalplans bzw. ein entsprechendes Zielabweichungsverfahren erfordern würde. Beides sind Vorgänge für die die Landesplanungsbehörde in Kiel zuständig ist. Diese hat aber bis in die jüngste Zeit betont, dass es auf Sylt keine dem in Aufstellung befindlichen Wohnraumentwicklungskonzept voraus laufende einzelfallbezogene Erschließung von Außenbereichsflächen mehr geben wird.

Die „Wendt-Wiese“ im Morsumer Außenbereich erfüllt die insular aufgestellten und abgestimmten Kriterien nicht, da sie keine Arrondierung der bestehenden Siedlungsgrenzen sondern die Begründung einer neuen Siedlungsachse darstellt.

Es ist bereits absehbar, dass es nicht nur bezogen auf Morsum sondern auch bezogen auf andere Sylter Orte bzw. Ortsteile schwer fallen wird, für die Umsetzung der Wohnraum-Kontingente auch geeignete Flächen zu finden. Insofern wird bei den Verhandlungen mit Kreis und Land auch die Frage im Raum stehen, ob bezogen auf diese Ortsteile bzw. Orte aus regionalplanerischer Sicht Bereitschaft besteht, ggf. die insular bisher abgestimmten ortsplanerischen Kriterien zu lockern und etwa auch Außenbereichsflächen aufzunehmen, die nicht der Arrondierung der bestehenden Siedlungsgrenzen dienen, sondern z.B. die Bildung neuer Siedlungsteile oder –achsen zum Gegenstand haben.