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Unter dem Titel „Verflechtungen zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein
im Spiegel der amtlichen Statistik“ haben sieben Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
des Statistikamtes Nord jetzt eine weitere Studie der Veröffentlichungsreihe
„Statistische Analysen“ vorgelegt.

Auf fast 40 Seiten werden verschiedene Aspekte der Verflechtung von
Schleswig-Holstein und Hamburg, die mit den Erhebungen der amtlichen
Statistik abgebildet werden können, dargestellt und untersucht. Neben der
Bevölkerungswanderung und den Berufspendlerinnen und -pendlern zwischen
beiden Ländern als zwei wesentliche Aspekte werden viele weitere
Themenbereiche beleuchtet: sozialstatistische Gesichtspunkte, etwa zu den
Krankenhauspatientinnen und -patienten aus dem jeweils anderen Land,
werden ebenso erörtert wie Themen aus dem Bereich der Wirtschaftsstatistik.
So werden Betriebe und Beschäftigte von Unternehmen des jeweils
anderen Landes, die Verlagerung von Unternehmen und Betrieben
zwischen den beiden Ländern, die Güterverflechtung nach Verkehrszweigen
und Güterarten sowie der Außenhandel, der von Firmen des einen
Landes aus dem anderen Land heraus abgewickelt wird, betrachtet. Darüber
hinaus umfasst die Analyse thematische Exkurse zum Gebiet, zu den
Sozialhilfeempfängerinnen und -empfängern sowie zu den Studierenden.

Der Beitrag zeigt die Vielfalt der Daten, die die amtliche Statistik zur
Thematik bereitstellt, auf. Durch den Bezug auf Eckzahlen und eine zeitliche
Analyse der letzten Jahre lassen sich außerdem die Intensität und die Entwicklung
für die einzelnen Aspekte der Verflechtung darstellen.

Viele Bewegungen über die Landesgrenze

Tausende Menschen wechseln jährlich den Wohnort zwischen den beiden
eng verbundenen Bundesländern Schleswig-Holstein und Hamburg. Viele
Menschen ziehen aus der Stadt heraus, ohne jedoch die Anbindung an die
Großstadt verlieren zu wollen. So sind im Jahr 2011 rund 23 400 Personen
von Hamburg nach Schleswig-Holstein gezogen. Der Gegenstrom von
Schleswig-Holstein nach Hamburg war mit 19 200 Menschen dagegen
etwas weniger stark ausgeprägt.

Neben denjenigen, die ihren Wohnort von einem Land ins andere verlegen,
überqueren viele Menschen auf dem täglichen Weg zur Arbeit die Landesgrenze.
So gab es zur Mitte des Jahres 2011 über 155 000 sozialversicherungspflichtig
Beschäftigte, die von Schleswig-Holstein nach Hamburg
pendelten, das sind 78,3 Prozent aller schleswig-holsteinischen Auspendlerinnen
und Auspendler (soweit sozialversicherungspflichtig beschäftigt)
und 49,3 Prozent der Einpendlerinnen und Einpendler nach Hamburg. Von
Hamburg nach Schleswig-Holstein pendelten etwa 50 100 sozialversicherungspflichtig
Beschäftigte. Das entspricht 50,8 Prozent der Auspendlerinnen
und Auspendler aus Hamburg und 44,4 Prozent der Einpendlerinnen
und Einpendler nach Schleswig-Holstein (soweit es sich um sozialversicherungspflichtig
Beschäftigte handelte).

Von allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten, die Mitte 2011 in
Schleswig-Holstein ihren Wohnsitz hatten, pendelten 16,8 Prozent nach
Hamburg. Der Anteil der Einpendlerinnen und Einpendler aus Schleswig-
Holstein an allen in Hamburg arbeitenden sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
betrug 18,6 Prozent.

Umgekehrt pendelten von allen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten,
die Mitte 2011 in Hamburg ihren Wohnsitz hatten, 8,1 Prozent nach
Schleswig-Holstein. Der Anteil der Einpendlerinnen und Einpendler aus
Hamburg an allen in Schleswig-Holstein arbeitenden sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten belief sich damit auf sechs Prozent.

Zusätzlich zu den 205 700 sozialversicherungspflichtig beschäftigten Pendlerinnen
und Pendlern arbeiteten 18 000 Beamtinnen und Beamte sowie
Berufs- und Zeitsoldaten im jeweils anderen Bundesland.

Von allen Hamburger Beamtinnen und Beamten, Berufs- und Zeitsoldaten
pendelte Mitte 2011 ein Viertel (14 900 Personen) von Schleswig-Holstein
nach Hamburg. Die Zahl der Einpendlerinnen und Einpendler nach
Schleswig-Holstein war deutlich geringer: 3 200 Beamtinnen und Beamte
beziehungsweise Berufs- und Zeitsoldaten aus Hamburg leisteten ihren
Dienst im nördlichsten Bundesland. Insgesamt lebten damit lediglich vier
Prozent der Beamtenschaft und der Berufs- oder Zeitsoldaten mit einem
schleswig-holsteinischen Dienstort in Hamburg.

Für die einfache Wegstrecke benötigten 13,3 Prozent aller Pendlerinnen
und Pendler von Hamburg nach Schleswig-Holstein und 20,2 Prozent der
Pendlerinnen und Pendler von Schleswig-Holstein nach Hamburg mindestens
eine Stunde Fahrtzeit (Stand: 2008).

Weiterhin wurden in Hamburg im Schuljahr 2011/12 rund 182 500 Schülerinnen
und Schüler an allgemeinbildenden Schulen unterrichtet, darunter
fast 3 400 (knapp zwei Prozent) mit Wohnsitz in Schleswig-Holstein. Umgekehrt
wohnten lediglich 456 von insgesamt 315 100 schleswigholsteinischen
Schülerinnen und Schülern in Hamburg.

An den berufsbildenden Schulen Hamburgs wurden im Schuljahr 2011/12
insgesamt 58 200 junge Menschen unterrichtet. 7 700 von ihnen hatten
ihren Wohnsitz in Schleswig-Holstein. Umgekehrt besuchten im gleichen
Zeitraum mehr als 96 000 junge Erwachsene eine berufsbildende Schule in
Schleswig-Holstein. Fast 1 600 von ihnen hatten ihren Wohnsitz in
Hamburg.

Von den insgesamt 80 100 Studierenden in Hamburg (Studienjahr 2010)
hatten 8 800 ihren Heimatwohnsitz in Schleswig-Holstein. Gleichzeitig verfügten
2 800 der 52 300 Studierenden in Schleswig-Holstein über einen
Heimatwohnsitz in Hamburg.

 

Verflechtungsanalysen auch auf dem Gebiet der Sozialstatistik möglich

Enge Verbindungen der beiden Bundesländer werden auch bei Betrachtung
der unterschiedlichen im Statistikamt Nord erstellten Sozialstatistiken deutlich.
So wird in der Statistischen Analyse aufgezeigt, dass im Jahr 2011
über 2 700 Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner in Hamburg
geboren wurden, das sind 12,9 Prozent aller in diesem Jahr geborenen
schleswig-holsteinischen Kinder. Umgekehrt wurden gut 500 Hamburger
Kinder gezählt, die 2011 in Schleswig-Holstein geboren wurden (3,1 Prozent
aller 2011 geborenen Hamburger Kinder).

Eine in der Tendenz ähnliche Bilanz ergibt sich bei der Betrachtung der
Sterbefälle. Im Jahr 2011 starben in Hamburg über 1 700 Bürgerinnen und
Bürger Schleswig-Holsteins (5,6 Prozent aller in diesem Jahr gestorbenen
Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner). Gleichzeitig wurden
3,1 Prozent der Todesfälle der Hamburger Bevölkerung (531 Personen) in
Schleswig-Holstein registriert. Diese Ungleichgewichte sind darauf zurückzuführen,
dass insbesondere Patientinnen und Patienten aus dem Hamburger
Umland die Krankenhäuser der Hansestadt mitnutzen.

Über 83 900 Einwohnerinnen und Einwohner Schleswig-Holsteins wurden
im Jahr 2010 nach einer vollstationären Behandlung aus einem Hamburger
Krankenhaus entlassen oder verstarben dort. Damit kamen 17,9 Prozent
der in den Hamburger Kliniken behandelten Patientinnen und Patienten aus
dem nördlichen Nachbarland. Von allen in Schleswig-Holstein wohnenden
Krankenhauspatientinnen und -patienten gingen 13,4 Prozent für eine vollstationäre
Behandlung in eine Hamburger Klinik.

Neben Patientenbewegungen vom Flächenland Schleswig-Holstein in den
Stadtstaat Hamburg gab es auch einen kleineren Strom in entgegengesetzter
Richtung. Im Jahr 2010 behandelten die Kliniken in Schleswig-
Holstein 22 100 Hamburgerinnen und Hamburger. Damit kamen 3,8 Prozent
aller in Schleswig-Holstein vollstationär versorgten Patientinnen und Patienten
aus der Hansestadt. Von allen in Hamburg wohnenden Krankenhauspatientinnen
und -patienten des Jahres 2010 wurden 6,1 Prozent im nördlichen
Nachbarland vollstationär versorgt.

Eine andere regionale Verteilung zeigt sich bei den Eheschließungen.
Hamburgerinnen und Hamburger schließen den Bund fürs Leben oft im
Nachbarland. Im Jahr 2011 fanden 1 180 der insgesamt über 7 000 Eheschließungen
mit Hamburger Beteiligung in Schleswig-Holstein statt
(16,8 Prozent). Umgekehrt wurden nur 221 von rund 16 000 (1,3 Prozent)
Ehen mit mindestens einem Partner beziehungsweise einer Partnerin aus
Schleswig-Holstein in der Hansestadt geschlossen.

 

Ausgeprägte wirtschaftliche Beziehungen zwischen beiden Ländern

 

Besonders bedeutend für Verflechtungsanalysen sind die wirtschaftlichen
Beziehungen der jeweils betrachteten Gebiete. So können beispielsweise
die Verlagerungen von Unternehmen Aufschlüsse über wirtschaftliche Verflechtungen
geben. Wie Einwohnerinnen und Einwohner ihren Wohnsitz von
einem Land in das andere Land verlegen können, haben auch Unternehmen
die Möglichkeit, ihre Aktivitäten zwischen den Ländern zu verlagern.
Hierzu wird in der Statistischen Analyse unter anderem dargestellt,
dass über den Zeitraum der Jahre 2008 bis 2011 lediglich 14 Betriebe mehr
ihren Standort von Hamburg nach Schleswig-Holstein verlegten als in umgekehrter
Richtung. Bei den Beschäftigten hat Hamburg per Saldo durch
Betriebsverlagerungen im gesamten Zeitraum sogar einen kleinen Zugewinn
von 355 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten gegenüber
Schleswig-Holstein erzielt.

Insgesamt gab es im Jahr 2011 in Schleswig-Holstein 195 Unternehmen,
die auch Betriebe in Hamburg unterhielten. In diesen Unternehmen waren
zusammengenommen über 60 000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte
tätig, darunter fast 9 000 Beschäftigte in den 212 Hamburger Betrieben.
Gleichzeitig waren 314 Hamburger Unternehmen mit insgesamt über
150 000 Beschäftigten auch in Schleswig-Holstein aktiv, und zwar mit 673
Betrieben, in denen nahezu 21 000 Beschäftigte tätig waren.

10,7 Mio. Tonnen (t) Güter wurden im Jahr 2010 mit Eisenbahn, Binnenund
Seeschiffen und im Straßengüterverkehr von Schleswig-Holstein nach
Hamburg transportiert. In der Gegenrichtung betrug die Beförderungsmenge
von Hamburg nach Schleswig-Holstein 9,9 Mio. t. Von der Gesamtmenge
des Güterverkehrs aus Schleswig-Holstein wurden somit elf Prozent nach
Hamburg befördert. Von allen Gütern, die in Hamburg auf die genannten
Verkehrszweige verladen wurden, wurden sieben Prozent nach Schleswig-
Holstein abtransportiert.

Zwischen den beiden Ländern wurden in beiden Richtungen viele unterschiedliche
Güter in großen Mengen befördert. Die größten Mengen entfielen
auf Steine, Erden und Baumaterialien, Konsumgüter zum kurzfristigen
Verbrauch und chemische Erzeugnisse. Von Schleswig-Holstein nach
Hamburg wurden darüber hinaus größere Mengen von Erzeugnissen der
Land- und Forstwirtschaft sowie Metalle verladen. Von Hamburg nach
Schleswig-Holstein spielte auch der Versand von Sekundärrohstoffen und
Abfällen eine große Rolle.

Zusammengenommen wurden im Jahr 2011 Waren im Wert von 21,2 Mrd.
Euro nach Schleswig-Holstein eingeführt und Waren im Wert von 18,3 Mrd.
Euro ausgeführt. 58 Prozent der Importe und 62 Prozent der Exporte wurden
von schleswig-holsteinischen Firmen abgewickelt. Bei sechs Prozent
der Importe und sieben Prozent der Exporte war der Anmelder eine Firma
aus Hamburg.

Nach Hamburg wurden im Jahr 2011 Waren im Wert von 69 Mrd. Euro
importiert. Der Gesamtwert der Exporte aus der Hansestadt belief sich auf
41,7 Mrd. Euro. Bei 48 Prozent der Importe und 59 Prozent der Exporte war
der Anmelder eine hamburgische Firma. Zwei Prozent der Im- und Exporte
wurden von Unternehmen aus Schleswig-Holstein durchgeführt.